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Zoologie:Ich bin ich - und wir sind viele

Amazonenkärpfling

Alle gleich: Amazonenkärpflinge klonen sich selbst, und das seit vielen Tausend Jahren.

(Foto: dpa)

Im Grenzgebiet zwischen Mexiko und Texas leben Fische, die sich seit Jahrtausenden selber klonen. Dass die Tiere noch nicht ausgestorben sind, verblüfft Forscher.

Eine Fischart klont sich seit etwa 100 000 Jahren selbst, und trotzdem existieren die Amazonenkärpflinge in vergleichsweise hoher Zahl. Das ist erstaunlich, denn wenn Klone immer wieder kopiert werden, kann das zu Gendefekten und damit zum natürlichen Aussterben einer Art führen. Der Würzburger Biochemiker Manfred Schartl lüftet nun in der Fachzeitschrift Nature Ecology & Evolution das Geheimnis der Fische, die im Grenzgebiet zwischen Texas und Mexiko leben: "Die Fische lassen im Grunde nur die guten Mutationen zu und entwickeln sich so auch weiter." Die Art hat keine Männchen. Um Nachwuchs bekommen zu können, "verführen" die Weibchen Männchen einer verwandten Art. "Dabei kommt es zwar zur Befruchtung der Eier, aber die väterliche DNA wird wieder aus der Eihülle geworfen", sagt Schartl. Die Nachkommen sind identische Klone ihrer Mütter - dennoch scheinen die Tiere in der Lage zu sein, sich über Generationen an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Vielleicht sei die evolutionäre Bedeutung der Neukombination des Erbmaterials durch Verschmelzen von Ei und Samenzelle überschätzt, so der Forscher.

© SZ vom 13.02.2018 / dpa
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