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Evolution:Vom Kiemenbogen zum menschlichen Finger

Rochen-Embryo
(Foto: Andrew Gillis)

Die Entwicklung der Kiemenbögen bei Rochen-Fischen wird offenbar von einem ähnlichen Mechanismus gesteuert wie die der menschlichen Gliedmaßen.

Der Anblick dieses Rochen-Embryos könnte Assoziationen zu Schmetterlingen wecken oder zu Bilderbuch-Monstern. Eine Nähe zum Menschen ist weniger offensichtlich. Und doch ist es das, was Forscher um den Zoologen Andrew Gillis von der Cambridge University gefunden haben (Development).

Die Evolutions-Experten wollten verstehen, wie einst die seitlichen Flossenpaare von Urfischen entstanden sind, aus denen später die Gliedmaßen von Amphibien und schließlich die von Säugetieren wurden. Der deutsche Anatom Carl Gegenbaur hatte im 19. Jahrhundert behauptet, diese Flossen hätten sich aus den Kiemenbögen entwickelt, eine Theorie, die heute kaum noch Anhänger hat.

Tatsächlich beobachteten Gillis und sein Kollege Brian Hall jedoch, dass ein Gen an der Entwicklung der Kiemenbögen von Rochen-Embryos beteiligt ist, das beim Menschen unter anderem das Wachstum der Finger an den richtigen Stellen steuert. Die Parallelen sind erstaunlich: Schalteten die Forscher das sogenannte Sonic-Hedgehog-Gen bei einem Rochen-Embryo aus, gerieten im weiteren Wachstum fingerartige Auswüchse auf den Kiemenbögen durcheinander. Offenbar ist dort also ein ähnlicher Mechanismus am Werk wie beim Menschen - und Gegenbaur hatte vielleicht doch nicht ganz unrecht.

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