Nach SZ-RecherchenOberstes Gericht Indiens untersucht Zooprojekt Vantara

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Der indische Premierminister Narendra Modi bei einem Besuch des Vantara-Zoos im März.
Der indische Premierminister Narendra Modi bei einem Besuch des Vantara-Zoos im März. (Foto: IMAGO/Press Information of India/Handout/IMAGO/Anadolu Agency)
  • Das Oberste Gericht Indiens lässt den Megazoo Vantara durch ein Sonderermittlungsteam untersuchen, nachdem Petitionen eingereicht wurden.
  • Vantara beherbergt über 45.000 Tiere aus aller Welt und gehört der reichsten indischen Familie Ambani.
  • Die Ermittler sollen bis 12. September unter anderem klären, ob Artenschutzvorschriften eingehalten wurden.
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Vantara rettet nach eigener Aussage Tiere aus Not. Auf Kritik am indischen Megazoo reagiert nun der indische Supreme Court: Ein Ermittlungsteam soll eine lange Liste von Vorwürfen in den Blick nehmen.

Von Sebastian Erb und Mauritius Much

Das Oberste Gericht Indiens lässt mögliche Unregelmäßigkeiten rund um den indischen Megazoo Vantara untersuchen. Ein entsprechender Beschluss des Gerichts vom Montag wurde am Dienstag bekannt, er liegt der SZ vor. Das Gericht spricht von einer großen Tragweite der erhobenen Vorwürfe, nicht nur gegen Vantara, sondern auch gegen staatliche Akteure wie die indische Zoobehörde, die eingereichten Petitionen zufolge ihren Aufgaben nicht adäquat nachkämen. Vor diesem Hintergrund sei eine „unabhängige Sachverhaltsprüfung“ durch ein Sonderermittlungsteam angebracht. Ein ehemaliger Richter am Supreme Court soll dieses Team leiten.

Vantara ist die größte Tiersammlung in Menschenhand, die es je gab. Nach SZ-Recherchen wurden bis zum Frühsommer dieses Jahres mehr als 45 000 Tiere aus aller Welt auf das Gelände im Westen Indiens geschafft, unter anderem aus der Demokratischen Republik Kongo und Venezuela. Darunter sind allein mehrere hundert Raubkatzen und Dutzende Menschenaffen, darunter ein Berggorilla, den es sonst offiziell nirgendwo in Gefangenschaft gibt. Hinter dem Projekt steht die reichste indische Familie, die unter anderem in der Öl- und Gasindustrie ihr Geld verdient. Gesicht des Zoos ist Anant Ambani, der jüngste Sohn der Familie, der mit einer Hochzeitsfeier mit Staraufgebot von sich reden machte.

Der eingesetzte Sonderermittler hat die Befugnis, von Behörden Informationen zu erfragen und Unterlagen zu erhalten. Mit seinem Team soll er nun unter anderem herausfinden, ob Vantara beim Erwerb von Tieren aus Indien und dem Ausland nationale und internationale Vorschriften wie die des Washingtoner Artenschutzabkommens eingehalten hat. Ebenso soll geklärt werden, ob im Zoo die Standards für Tierhaltung und tierärztliche Versorgung eingehalten werden. Ausdrücklich soll auch untersucht werden, ob Ambani eine „Prestigesammlung oder Privatsammlung“ aufbaut. Auch um Fragen der finanziellen Compliance und möglichen Geldwäsche soll es gehen. Viel Zeit bleibt den Sonderermittlern nicht, bereits am 12. September soll dem Gericht ein umfassender Bericht vorgelegt werden.

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Vantara hat öffentlich immer behauptet, ausschließlich Tiere in Not zu retten und niemals für ein Tier Geld bezahlt zu haben. Recherchen der SZ haben daran große Zweifel aufgeworfen. Vorliegende Rechnungen und Chatverläufe zeigen, dass Vantara auf dem kommerziellen Markt Tiere aufkauft und es offenbar auch darum geht, möglichst viele Tiere zu sammeln. Einer der Einkäufer des Zoos war den Recherchen zufolge ein deutscher Artenschützer, der daran beteiligt war, den seltenen Spix-Ara vor dem Aussterben zu retten.

Mehrere Personen hatten Petitionen beim Obersten Gericht eingereicht, sie berufen sich darin auch auf die SZ-Recherchen. Daraufhin entschied das Gericht, die Anschuldigungen untersuchen zu lassen. Vantara hat angekündigt, umfassend mit dem Ermittlungsteam zu kooperieren.

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