Zeitgenossen über Humboldt:"Er hat ein Maul und kann sich geltend machen"

Gepriesen und geschmäht: Schon Zeitgenossen wussten Alexander von Humboldts Fähigkeiten zu schätzen - doch nicht im Urteil aller schnitt der Naturforscher gut ab.

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Rastloser Forschungsreisender und akribischer Wissenschaftler: Alexander Freiherr von Humboldt, der vor 150 Jahren starb, zählt zweifellos zu den berühmtesten deutschen Naturforschern. Die vielen Talente des Berliner Wissenschaftlers wussten schon Zeitgenossen zu schätzen. Doch auch vor Schmähungen blieb Humboldt nicht verschont.

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Zeitgenossen über Humboldt:Wilhelm von Humboldt

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"Alexander ist gemacht, Ideen zu verbinden, Ketten von Dingen zu erblicken, die Menschenalter hindurch, ohne ihn, unentdeckt geblieben wären. Ungeheure Tiefe des Denkens, unerreichbarer Scharfblick, und die seltenste Schnelligkeit der Kombination." Wilhelm von Humboldt, Gelehrter, preußischer Staatsmann und Mitbegründer der Berliner Universität, hielt viel von den Fähigkeiten seines jüngeren Bruders.

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Zeitgenossen über Humboldt:Friedrich von Schiller

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Im Auge der Zeitgenossen schnitt Alexander allerdings nicht immer gut ab - vor allem in Vergleich zu seinem zwei Jahre älteren Bruder Wilhelm. Schon seinen Erziehern galt der jüngere Humboldt als eher unbegabter, lernunwilliger Kopf. Und auch Friedrich von Schiller sah allerlei Übles an ihm:

"Ueber Alexandern habe ich noch kein rechtes Urtheil, ich fürchte aber, trotz aller seiner Talente und seiner rastlosen Thätigkeit wird er in seiner Wißenschaft nie etwas Großes leisten. (...) Kurz mir scheint er für seinen Gegenstand ein viel zu grobes Organ und dabey ein viel zu beschränkter Verstandesmensch zu seyn. Er hat keine Einbildungskraft und so fehlt ihm nach meinem Urtheil das nothwendigste Vermögen zu seiner Wißenschaft - denn die Natur muß angeschaut und empfunden werden, in ihren einzelnsten Erscheinungen, wie in ihren höchsten Gesetzen. Alexander imponiert sehr vielen, und gewinnt in Vergleichung mit seinem Bruder meistens, weil er ein Maul hat und sich geltend machen kann. Aber ich kann sie, dem absoluten Werth nach, gar nicht miteinander vergleichen, so viel achtungswürdiger ist mir Wilhelm."

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Zeitgenossen über Humboldt:Charles Darwin

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Ganz anders fiel das Urteil aus, das Charles Darwin über Humboldt fällte - zumindest in jungen Jahren. Beeindruckt von den Berichten über die ungeheuer ergiebige und abenteuerliche Reise Humboldts nach Amerika rühmte der spätere Begründer der Evolutionstheorie: "Er war der größte reisende Wissenschaftler, der jemals gelebt hat." Er habe ihn immer bewundert, nun bete er ihn an.

Die spätere persönliche Begegnung ließ allerdings nicht mehr viel übrig von der Heldenverehrung: Darwin beschrieb den Berliner Forscher als "ausgelassen" und "geschwätzig". Mit Humboldt und Darwin trafen allerdings nicht nur zwei Generationen aufeinander, sondern - an der Schnittstelle zwischen Romantik und Moderne - auch zwei unterschiedliche Forschungsmethoden. Während es Humboldt, dem emsigen Sammler von Pflanzen, Bodenproben und Informationen noch um eine Erfassung des gesamten Kosmos in ihren Einzelheiten ging, schuf Darwin mit seiner Theorie der Entstehung der Arten einen völlig neuen Zugang zum Aufschlüsseln der Natur.

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Zeitgenossen über Humboldt:Johann Wolfgang von Goethe

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"Ich darf ihn wohl in seiner Art einzigartig nennen", rühmte hingegen Johann Wolfgang von Goethe Humboldt. "Was ist das für ein Mann! Ich kenne ihn so lange und bin doch von neuem über ihn in Erstaunen. Man kann sagen, er hat an Kenntnissen und lebendigem Wissen nicht seinesgleichen. Und eine Vielseitigkeit, wie sie mir gleichfalls noch nicht vorgekommen ist! Wohin man rührt, er ist überall zu Hause und überschüttet uns mit geistigen Schätzen. Er gleicht einem Brunnen mit vielen Röhren, wo man überall nur Gefäße unterzuhalten braucht und wo es immer erquicklich und unerschöpflich entgegenströmt."

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Zeitgenossen über Humboldt:Justus von Liebig

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Die ungeheure Vielseitigkeit Humboldts lobte auch der Chemiker Justus von Liebig - und erwähnte neben all den wissenschaftlichen Forschungsgebieten und Verdiensten Humboldts auch dessen stetes Eintreten für die Gleichberechtigung aller Ethnien und Kulturen:

"Wie viele kenne ich, welche gleich mir die Erreichung ihrer wissenschafllichen Ziele Alexander von Humboldts Schutze und Wohlwollen verdanken! Der Chemiker, Botaniker, Physiker, Orientalist, der Reisende nach Persien und Indien, der Künstler, alle erfeuten sich gleicher Rechte, gleichen Schutzes, vor ihm war kein Unterschied der Nationen, der Länder."

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Zeitgenossen über Humboldt:Simón Bolívar

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Als begeisterter Verfechter der Menschenrechte, strikter Anti-Kolonialist und Gegner der Sklaverei schuf sich der Berliner Forschungsreisende Humboldt denn auch in außereuropäischen Gegenden Anhänger. Der lateinamerikanische Unabhängigkeitskämpfer Simón Bolívar rühmte: "Alexander von Humboldt hat Amerika mehr Wohltaten erwiesen als alle seine Eroberer, er ist der wahre Entdecker Amerikas."

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Zeitgenossen über Humboldt:Thomas Jefferson

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Auch im Norden des amerikanischen Kontinents wusste man Humboldt zu schätzen. "Ich sehe in ihm den bedeutendsten Wissenschaftler, den ich je getroffen habe", würdigte ihn US-Präsident Thomas Jefferson, der den deutschen Wissenschaftler auch persönlich empfing.

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Zeitgenossen über Humboldt:Napoléon Bonaparte

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Das große Aufsehen, das Humboldt nach seiner Amerikareise vielerorts erregte, rief allerdings auch Neid und Missgunst auf den Plan. So soll Napoléon Bonaparte nicht eben begeistert gewesen sein, als der deutsche Forschungsreisende 1804 in Paris begeistert begrüßt wurde - und brauchte nicht viele Worte, um Humboldt seine Geringschätzung zu zeigen: "Sie beschäftigen sich mit Botanik? Genau wie meine Frau!" wird große Franzose zitiert.

Foto: AP Text: sueddeutsche.de/gal/mri

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