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Zähne zeigen:Wer lacht, beißt nicht

Psychologen haben herausgefunden, dass es mindestens 15 verschiedene Formen des Lächelns gibt. Das spontane echte Lächeln (felt smile) unterscheidet sich demnach deutlich vom maskierenden Lächeln (masking smile), das dazu dient, negative Emotionen zu verstecken oder vom Swissair-Lächeln, das bewusst eingesetzt wird, um eine positive Atmosphäre zu schaffen.

Lachende Schimpansen

Das Lachen hingegen sei in der Evolutionsgeschichte des Menschen sehr viel später entstanden als das Lächeln, sagt Carsten Niemitz. Halbaffen können es nicht. Schimpansen hingegen wahrscheinlich schon. Da ist zumindest Julia Vettin sicher. Sie hat im Rahmen einer Diplomarbeit an der Freien Universität Berlin eine Gruppe von zwölf Schimpansen im Krefelder Zoo beobachtet.

Oft hat sie gesehen, wie sich die Affen-Oma an eines der nichts ahnenden Kinder herangepirscht hat, um Sekunden später den Nachwuchs kräftig durchzukitzeln. "Ha-ch, Ha-ch", kicherte das überraschte Opfer und machte das typische Spielgesicht mit weit geöffnetem Mund: das relaxed open mouth display.

Die Mimik ähnelt dem Gesichtsausdruck eines lachenden Menschen. Deshalb können Menschen, denen man im Experiment Bilder von Schimpansen zeigt, das Spielgesicht auch als freundlichen Gesichtsausdruck einordnen. Ob sich daraus schließen lässt, dass das zugehörige Geräusch, das eher wie ein Keuchen oder Hecheln klingt, ein Vorläufer menschlichen Gelächters ist, bleibt unter den Lachforschern umstritten.

Aufforderung zum Mitmachen

Der Psychologe Jaak Panksepp von der Bowling Green State University in Ohio gehört zu denen, die überzeugt sind, dass auch Tiere hörbar lachen können. Er vermutet sogar, dass das Gequieke seiner Laborratten wenn er sie kitzelt eine Form des Lachens ist. "Beim Kitzeln machen sie die gleichen Töne wie wenn sie miteinander herumtoben, sagt Panksepp, "und das ist genau die Situation, in der auch Menschenkinder viel lachen."

"Kitzelspiele sind der Urquell des Lachens", glaubt auch Robert Provine von der Universität Maryland. Lachen ist demnach entstanden als Aufforderung zum Mitmachen und um zu signalisieren, dass eine Attacke spielerisch und nicht ernst gemeint ist. "Wer lacht, kann nicht beißen", schrieb der Soziologe Norbert Elias. "Selbst bei Menschen geht das Lachen Hand in Hand mit einer ziemlich starken Hemmung der Fähigkeit, andere körperlich zu verletzen ."

Doch auch wenn man annimmt, dass Tiere laut lachen können, gibt es einen entscheidenden Unterschied: Das Lachen des Menschen ist ambivalent.

Es ist nicht immer ein positives Signal, sondern hat viele negative Aspekte: Menschen lachen nicht nur, weil sie etwas lustig finden, sondern auch aus Schadenfreude, um jemanden auszulachen, wenn sie nervös sind und sogar wenn sie Angst haben. Besonders merkwürdig ist das Lachen in Gesprächen, das Julia Vettin in ihrer Doktorarbeit untersucht hat.

Dabei hat sie unter anderem herausgefunden, dass Menschen nicht nur nach Aussagen des Gesprächpartners lachen, sondern genauso häufig nach eigenen Statements, die oft auch noch alles andere als komisch sind ("Wenn ich Lust habe, fahre ich morgen nach Hamburg, hahaha"). "Diese Form des Lachens hat nichts mit Belustigung zu tun, sondern dient wohl eher der Regelung des Gesprächsablaufs ", glaubt Vettin.

Entspannung nach der Gefahr

"Wir lachen aus tausend verschiedenen Gründen", sagt Eva Bänninger-Huber, "aber fast nie aus Freude". Lautes Lachen sei vielmehr eine Reaktion auf Anspannung - egal ob beim Kitzeln oder beim Warten auf die Pointe eines Witzes.

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