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Wissensnachrichten der Woche:Wenn der Supervulkan so richtig knallt

Forscher sagen nun: Das könnte häufiger passieren als bisher gedacht. Erstaunliche Fakten in den Wissensnachrichten der Woche.

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Supervulkane brechen häufiger aus als gedacht

Krater des Yellowstone-Vulkans hebt sich im Rekordtempo; Yellowstone

Quelle: Henry Holdsworth/dpa

Ausbrüche von Supervulkanen finden womöglich häufiger statt als bislang gedacht. Nach einer statistischen Analyse von geologischen Daten der vergangenen 100 000 Jahre schließen Forscher der University of Bristol's School of Earth Sciences and Mathematics, dass sich solche erdgeschichtlichen Großkatastrophen alle 5200 bis 48 000 Jahre ereignen, wobei ein Abstand von 17 000 Jahren am wahrscheinlichsten sei (Earth and Planetary Science Letters).

Bislang ging man von einem Zeitraum von 45 000 bis 714 000 Jahren aus. Als Superausbrüche gelten Ereignisse, bei denen ein Vulkan mehr als 100 000 Gigatonnen Material in die Atmosphäre pustet, genug um das Weltklima für Jahrzehnte zu verändern. Meist kommt es zu Abkühlungen. Der Ausbruch des Supervulkans Toba in Indonesien vor 75 000 Jahren hinterließ eine 15 Zentimeter dicke Staubschicht auf dem indischen Subkontinent und führte womöglich fast zum Aussterben der Menschheit. Heute könnte ein Ausbruch des Yellowstone-Hotspots (siehe Foto) schlimme Folgen haben.

Der letzte Superausbruch eines Vulkans fand vor 20 000 bis 30 000 Jahren statt. Das müsse jedoch nicht bedeuten, dass die nächste Katastrophe vor der Tür stehe, schreiben die Autoren, dazu sei die statistische Unsicherheit zu groß. Aber die Menschen sollten sich glücklich schätzen, dass sie so lange unbehelligt geblieben sind.

Christian Weber

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In Kleidung eingenähte Sensoren messen Puls und Blutdruck

Bluthochdruck

Quelle: dpa

In die Kleidung eingenähte Sensoren könnten künftig Puls oder auch Blutdruck längerfristig überwachen. Forscher um Xiaonan Hui von der Cornell-Universität in Ithaca stellten im Fachmagazin Nature Electronics ein solches Verfahren vor. Sie verwenden dabei sogenannte RFID-Chips, die in anderen Bereichen schon millionenfach eingesetzt werden. Waschmaschinen sollen den Chips nichts anhaben können.

Die neue Technik könnte beispielsweise in Krankenhäusern oder Pflegeheimen genutzt werden. In den jeweiligen Zimmern müssten Antennen angebracht werden, welche die Signale der Funkchips empfangen. "Unser System ist in der Lage, die Werte von mehreren Personen gleichzeitig zu überwachen", schreiben die Forscher. In die Brusttasche eingenäht, können die batterielosen Chips helfen, die Atemfrequenz zu messen. Gleichzeitig konnten die Forscher die Chips nutzen, um wie mit einem Radar Bewegungen des Herzens nachzuverfolgen.

Über einen weiteren Chip am Handgelenk, der in eine Manschette eingenäht werden kann, lässt sich der Puls bestimmen. Durch Kombination der beiden Sensoren kann man den Blutdruck abschätzen. Herkömmliche Messgeräte seien durch den nötigen Hautkontakt unkomfortabel, sie störten teils den Schlaf und schränkten die Bewegungsfreiheit von Patienten ein, betonen die Wissenschaftler. Ihr Ansatz sei hingegen unauffällig.

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Fremdsprachen schützen vor Aberglauben

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Quelle: Alessandra Schellnegger

Morgens auf dem Weg zur Arbeit huscht eine schwarze Katze quer über die Straße. Das weckt sofort Gedanken daran, dass diese Begebenheit manchen wohl noch immer als schlechtes Vorzeichen gilt. Wie sehr solche Dinge die Menschen bis heute beschäftigen, lässt sich etwa an einer Studie aus Großbritannien ablesen, die zeigte: Fällt ein Freitag auf einen 13., ist der Verkehr auf den Straßen geringer, dafür gibt es aber mehr Unfälle.

Aberglaube lebt, und es sind die Intuitionen, die dieses Denken befeuern, zeigen Forscher um Constantinos Hadjichristidis von der Universität Trient im The Quarterly Journal of Experimental Psychology. Demnach schützen Fremdsprachen vor abergläubischen Tendenzen, weil sie quasi die Tür zum intuitiven Denken zuschlagen.

Die Wissenschaftler ließen Studenten verschiedene Szenarien jeweils in ihrer Muttersprache oder auf Englisch beurteilen. Darin tauchten gängige Motive auf, die oft als Vorzeichen gedeutet werden: etwa zerbrochene Spiegel oder der Umstand, aus Versehen unter einer Leiter hindurchgegangen zu sein. Natürlich weist jeder weit von sich, etwas auf solche unsinnigen Zeichen zu geben.

Doch die Idee taucht automatisch im Kopf auf, ist präsent und muss durch das bewusste Denken gleichermaßen niedergerungen werden. Präsentierten die Forscher die Szenarien in einer Fremdsprache, blieb dieser innere Kampf aus. Die Bedeutung solcher Begebenheiten als Vorzeichen erlernten Menschen früh in ihrer Biografie, so die Forscher. Die Idee liegt im Gehirn sozusagen nur in der Muttersprache vor. In einer Fremdsprache, die man später im Leben erlernt, wird ein solches Vorzeichen nur als das betrachtet, was es ist: ein bedeutungsloser Vorgang.

Sebastian Herrmann

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Frühe Frauen waren kräftiger als heutige Ruderinnen

Ruder-Achter der Frauen der Universität Cambridge

Quelle: dpa

Frauen in der Jungsteinzeit hatten im Schnitt trainiertere Oberarme als heutige, ambitionierte Ruderinnen. Das ergab eine Vergleichsstudie zwischen rund 7200 Jahre alten Knochen aus Skelettfunden und der heutigen Frauen-Rudermannschaft der Universität Cambridge. In den ersten 5500 Jahren, nachdem die Menschen sesshaft geworden waren, arbeiteten Frauen intensiv in der Landwirtschaft und waren besonders stark, wie die Forscher um Alison Macintosh von der Universität Cambridge im Fachmagazin Science Advances schreiben.

Knochen passen sich bei Belastungen an, so ändern sich zum Beispiel mit körperlicher Anstrengung die Form und Dichte der Knochen. Die Oberarmknochen der Frauen aus der Jungsteinzeit waren zwischen 11 und 16 Prozent stärker als die von heutigen Ruderinnen, die seit Jahren bis zu 21 Stunden die Woche trainieren. Im Vergleich zu durchschnittlichen Studentinnen waren die Frauen der Jungsteinzeit sogar bis zu dreißig Prozent stärker.

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Umweltsatellit Sentinel-5P zeigt Luftverschmutzung in bisher unerreichter Genauigkeit

Umweltsatellit Sentinel-5P

Quelle: dpa

Der europäische Umweltsatellit Sentinel-5P hat nach seinem Start vor gut eineinhalb Monaten erste Bilder in höchster Auflösung zur Luftverschmutzung auf der Erde geliefert. Es sei eine neue Dimension in der Datenqualität, sagt Josef Aschbacher, Direktor der Erdbeobachtungsprogramme der europäischen Raumfahrtorganisation Esa.

Die Karten zeigen die Verteilung von Spurengasen mit bisher unerreichter Genauigkeit und sollen erlauben, die Luftqualität präzise vorherzusagen und zu überwachen. Damit soll auch die Auswirkung des Klimawandels auf untere Luftschichten erforscht werden.

Sentinel-5P war am 13. Oktober an Bord einer russischen Trägerrakete abgehoben und auf einer Umlaufbahn in 824 Kilometern Höhe ausgesetzt worden. Es sei früher nicht vorstellbar gewesen, dass Luftverschmutzung aus 800 Kilometern Höhe beobachtet werden könnte, hieß es. Sentinel-5P zählt zum Copernicus-Programm, bei dem Satelliten die Erde und die Atmosphäre beobachten und Veränderungen dokumentieren.

© SZ.de/fehu

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