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Wissenschaft - Dresden:Sachsen schließt wichtiges Kapitel der Atomforschung ab

Dresden (dpa/sn) - Der frühere Atomforschungsreaktor in Rossendorf vor den Toren Dresdens ist endgültig Geschichte. Mit einem Festakt wurde die mehr als 20 Jahre dauernde Stilllegung und Beseitigung der kerntechnischen Anlagen am Donnerstag für beendet erklärt. Damit ist der Reaktor mit dem Kürzel RFR kein Bestandteil des Atomgesetzes mehr und aus der atomrechtlichen Aufsicht entlassen. Ein entsprechendes Dokument wurde Dietmar Schlösser, Direktor des Vereins VKTA - Strahlenschutz, Analytik & Entsorgung Rossendorf, überreicht. Der Verein war 1993 mit dem Rückbau der Anlagen beauftragt worden.

Der Forschungsreaktor sowjetischer Bauart ging 1957 in Betrieb und diente dem Zentralinstitut für Kernphysik der DDR zur Grundlagenforschung, aber auch zur Erzeugung radioaktiver Stoffe. 1991 wurde er abgeschaltet. Außer ihm gab es in Rossendorf noch zwei weitere sogenannte Nullleistungsreaktoren - Anlagen mit sehr geringer Leistung. Sie wurden bis 2000 abgerissen. 1998 begann der eigentliche Rückbau des Forschungsreaktors. 2005 wurden die 951 in Rossendorf genutzten Brennelemente in Castor-Behältern in Zwischenlager Ahaus transportiert.

Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) erinnerte in Rossendorf daran, dass es wichtig ist, über das Thema Radioaktivität transparent zu informieren. Denn es löse heutzutage häufig Befremden und Sorgen aus. Mit dem Rossendorfer Reaktor werde ein großes Stück Forschungsgeschichte, nicht nur für Sachsen, sondern auch für die ehemalige DDR und Deutschland beendet. Eine nach dem Zweiten Weltkrieg in den 1950er Jahren einsetzende nukleare Euphorie-Welle habe dazu geführt, dass weltweit Kernforschungszentren gegründet wurden. Rossendorf habe sich später zum einem der Weltmarktführer in der Herstellung von Radionukliden entwickelt, die unter anderem in der Medizin Anwendung finden.

Stange ging auch auf den Wandel des Standortes Rossendorf ein, an dem heute unter anderem ein Helmholtz-Zentrum arbeitet. Rossendorf habe die mannigfaltigen Veränderungen und schmerzlichen Einschnitte nicht nur überlebt, sondern sei zu neuer Blüte gelangt. Die Anzahl der hier beschäftigen Wissenschaftler und Mitarbeiter sei mit ungefähr 1500 wieder auf dem Stand von 1989: "Die hier angesiedelten Forschungsgebiete bewegen sich in, um und außerhalb der Thematik Radioaktivität und sind weltweit anerkannt."

Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) lobte die Arbeit der VKTA- Mitarbeiter. Der Verein habe weiterhin zahlreiche Aufgaben am Forschungsstandort Rossendorf. "So ist er Betreiber der Landessammelstelle für radioaktive Abfälle für den Freistaat Sachsen und erfüllt damit hoheitliche Aufgaben." Außerdem sei der VKTA aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen beim Rückbau solcher Anlagen sowie im Bereich der Umwelt- und Radionuklidanalytik ein national und international gefragter Partner.