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Wildtierhandel:Der Tod aus dem Terrarium

In diesem Reptilpark in Indonesien desinfiziert ein Mitarbeiter das Gelände. Auch dieser ist gerade aufgrund der Pandemie für Besucher geschlossen.

(Foto: AP)

Unter Wildtieren lauern weitaus gefährlichere Erreger als das Coronavirus. Ein zusätzliches Argument, um den Handel mit ihnen endlich zu beenden.

Wie genau das neue Coronavirus entstanden ist und warum es so gefährlich werden konnte, weiß derzeit noch niemand. Klar ist aber, dass es von einem Wildtier auf den Menschen übertragen wurde. Und klar ist auch, dass das nicht die Schuld des Tieres war.

Momentan geht es darum, Menschenleben zu retten, aber wenn die Corona-Krise überstanden ist, sollte sie ein Anlass sein, den Umgang des Menschen mit der Umwelt und den darin lebenden Tieren und Pflanzen grundsätzlich zu überdenken. Nicht nur zum Schutz der Natur, sondern auch zum Schutz des Menschen.

In der Welt der wilden Tiere lauern gefährlichere Erreger als das neue Coronavirus

So unglaublich das derzeit klingen mag: Manche Experten meinen, die Menschheit habe mit Corona noch Glück gehabt. In der Welt der wilden Tiere lauern nämlich noch viel gefährlichere und tödlichere Krankheitserreger, die ebenfalls das Potenzial haben, eines Tages Menschen zu infizieren. Dass dies gar nicht so selten vorkommt, zeigen andere Krankheiten wie Ebola, Sars oder auch die Vogelgrippe, die alle tierischen Ursprungs sind.

Verhindern lässt sich das durch dasselbe Prinzip, das jetzt für die Bekämpfung der Coronakrise gilt: Abstand halten! Momentan ist es eindeutig der Mensch, der diese Regel nicht einhält und den Wildtieren eine ungesunde Nähe aufzwingt. Ein Beispiel sind Tiermärkte wie der berüchtigte in Wuhan, wo die Corona-Krise begonnen hat. Zusätzlich zu der großen Nähe zwischen Tier und Mensch sind auf solchen Märkten auch verschiedene Tierarten auf engstem Raum zusammengepfercht, was die Entstehung neuer gefährlicher Erreger weiter begünstigt. Mindestens genauso bedenklich ist aber, dass der Mensch überall auf der Welt in andere Lebensräume vordringt und sie zerstört. Den Tieren bleibt dadurch immer weniger Platz - was ebenfalls zu einer unfreiwilligen Nähe zum Menschen führt.

Deutschland ist einer der Hauptabsatzmärkte für Wildtiere aus aller Welt - inklusive ihrer möglichen Krankheitserreger

Ähnliches gilt für den Handel mit Wildtieren, wie etwa dem Pangolin, jenem Schuppentier, das vor Corona fast niemand kannte, von dem jetzt aber überall die Rede ist, weil es neben Fledermäusen als eine mögliche Quelle für das Virus diskutiert wird. Gerade Deutschland ist einer der Hauptabsatzmärkte für Wildtiere aus aller Welt. Nach einem langen, oft quälenden Transport landen exotische Amphibien, Säugetiere und Fische in Terrarien, Käfigen und Aquarien - und mit ihnen potenzielle Krankheitserreger. Das muss endlich ein Ende haben!

Eine andere Möglichkeit, den Abstand zwischen Tier und Mensch zu vergrößern, wäre, mehr und vor allem größere Schutzgebiete zu schaffen, in denen sich beide nicht in die Quere kommen. Alle würden davon profitieren. Die Corona-Krise zeigt es einmal mehr: Wenn es der Umwelt und ihren Lebewesen schlecht geht, geht es auch dem Menschen nicht gut.

© SZ vom 28.03.2020

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