Artenschutz:Schließlich töte sie zumindest Hirsche, vielleicht sogar Menschen, dachte man

Nicht verwechseln darf man die Wildkatze Felis silvestris silvestris mit einer wilden Katze, dem Luchs, oder mit verwilderten Hauskatzen. Mit beiden ist sie nur entfernt verwandt. Die nächsten Verwandten der Europäischen Wildkatze sind vier weitere Unterarten: die Afrikanische Wild- und die Südafrikanische Falbkatze sowie die Asiatische Steppenkatze und die Graukatze im tibetanischen Hochland. Von allen vieren unterscheiden sich die europäischen "Waldgeister" deutlich. Als sich die Wildkatze in die Wälder zurückzog, wurde ihr Fell buschiger, die Ohren kleiner, die Beine kürzer und ihr Körper gedrungener. Von einer Hauskatze unterscheidet sich das Wildtier vor allem durch die kräftigere Figur und den dicken, dunkel geringelten Schwanz mit abgerundetem Ende.

Wer im 18. und 19. Jahrhundert über ein Tier dieses Aussehens sprach, der hätte auch gleich vom Teufel reden können. Die Wildkatze war zu dieser Zeit alles andere als beliebt. Schließlich töte sie mindestens Hirsche, wenn nicht gar Menschen, hieß es in Jagdberichten des 19. Jahrhunderts. Der wahre Antrieb, solche Schauermärchen zu verbreiten, lag wohl in der Furcht der Jäger, die Wildkatze nehme ihnen Rehe, Feldhasen und Rebhühner als Jagdbeute weg. Tatsächlich fressen die Tiere vor allem Mäuse, hin und wieder auch andere kleinere Säuger, Vögel und notfalls Aas.

Außerdem setzte der Wildkatze einst zu, dass ihr Fell sehr begehrt war. Bereits gegen 1900 galt sie in vielen Teilen Deutschlands als ausgestorben. Einen gewissen Schutz erhielt sie zwar 1935 durch das Reichsjagdgesetz, doch fortan gefährdete der Straßenbau die Tiere. Er zerschneidet bis heute ihre Lebensräume, viele Wildkatzen werden totgefahren.

Immerhin hat sich das Image der Wildkatze gewandelt, sie ist heute eine Art, die viel Sympathie hervorruft. "Die Wildkatze gilt nicht als schlimm, weil sie den Menschen nicht gefährlich wird und auch der Land- und Viehwirtschaft nicht schadet", sagt Volker Mosbrugger. Das liegt nicht nur an ihrem Speiseplan, sondern auch an ihrer großen Scheu dem Menschen gegenüber, ein Problem für die Forscher. Wie soll man ein Phantom untersuchen, das selbst Experten nur selten zu Gesicht bekommen? Fotofallen helfen, ebenso die Untersuchung tot aufgefundener Tiere. Vor allem aber setzen Wissenschaftler auf sogenannte Lockstöcke.

Das sind in den Boden gerammte Holzlatten, die mit Baldrian getränkt sind. Dessen Geruch wirkt unwiderstehlich auf die Tiere, vor allem, wenn sie auf Partnersuche sind. Wenn sich eine Katze an einem Lockstock reibt, bleiben stets ein paar Haare hängen. Diese nutzen Forscher für genetische Analysen, um etwa die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen verschiedenen Populationen zu bestimmen. Außerdem hat sich so gezeigt, dass sich Wildkatzen nur selten mit verwilderten Hauskatzen paaren. "Solche Hybridisierungen stellen kein ernsthaftes Problem dar", sagt Mosbrugger.

Manchmal werden die Forscher mittels der Genanalysen auch Zeugen eines Happy Ends. So berichtet der BUND von einem Männchen in Bayern, das sich offenbar sehr nach weiblicher Gesellschaft sehnte. 22 Mal identifizierten die Naturschützer das Tier an einem Lockstock, häufiger als jeden seiner Artgenossen. Schließlich sah alles danach aus, als habe das Männchen endlich eine Partnerin gefunden. Dessen Gendaten waren ebenfalls bekannt. Im folgenden Jahr gab es die Gewissheit: Neue Haarproben zeigten, dass die beiden Alttiere Eltern geworden waren.

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