Neue Hitzewelle Wüstenluft im Ballungsraum

Das Freibad: kühle Ausflüchte im heißen Sommer.

(Foto: Nicolas Armer/dpa)

Am Wochenende erwarten Meteorologen eine neue Hitzewelle, den Schlussakkord des Sommers 2015. Er könnte damit zum zweitwärmsten in den Aufzeichnungen werden.

Von Andreas Frey

Dieser Sommer scheint einen Sinn für Dramaturgie zu haben. Pünktlich zu seinem meteorologischen Ende setzt ein großes Hitzefinale ein. Die Wetterdienste erwarten zum Wochenende noch einmal Wüstenluft und Werte bis 37 Grad. Anschließend wird sich die Großwetterlage wahrscheinlich grundlegend umstellen. Temperaturen jenseits der 30 Grad dürften in diesem Jahr kaum mehr erreicht werden, die Sonne verliert ihre Kraft. Mit dem September hält der Herbst Einzug. Spätsommerwetter ist in diesem Jahr noch nicht in Sicht.

Manchen Menschen in Deutschland fällt der Abschied allerdings nicht schwer. Die Hitzebelastung war vor allem im Süden enorm. Der Sommer 2015 ist bisher der viertwärmste in Deutschland seit Messbeginn. Und er könnte - die anstehende Hitzewelle eingerechnet - sich noch auf Platz zwei schieben. Mit einer Durchschnittstemperatur von 18,5 Grad Celsius könnte er direkt hinter dem Jahrhundertsommer von 2003 landen (19,7 Grad), so die Kalkulation des Meteorologen Frank Böttcher vom Institut für Wetter und Klimakommunikation in Hamburg. Im Vergleich zum langjährigen Mittel der Jahre 1961 bis 1990 fiele die Jahreszeit damit um 2,3 Grad zu warm aus.

Richtig Sommer

Nur die Bauern sind nicht glücklich

Besonders betroffen von der brütend heißen Saharaluft waren die großen Städte in Deutschland. Dort staute sich die Hitze tagelang, und die Nächte brachten keine Abkühlung. Dazu fiel kaum Regen. München beispielsweise wurde von drei Hitzewellen heimgesucht, bei der die Tagestemperaturen an mindestens drei aufeinander folgenden Tagen über 30 Grad kletterten. Die längste dauerte elf Tage. Die vierte und letzte deutet sich in dieser Woche an - das wäre Rekord. In einem durchschnittlichen Sommer erleben die Münchner höchstens eine solche Heißperiode.

Südlich von Grönland entscheidet sich, wie heiß es in Mitteleuropa wird

Die mediterranen Verhältnisse haben selbst Meteorologen überrascht: "Die Häufigkeit und Intensität der Hitzewellen war außergewöhnlich", sagt Böttcher - Anfang Juli und Anfang August waren besonders extrem. So wurde im fränkischen Kitzingen der Allzeitrekord von 40,3 Grad zweimal erreicht. In weiten Teilen Süd- und Mitteleuropas herrscht die schwerste Dürre seit dem Hitzesommer 2003, wie eine Forschergruppe der Europäischen Kommission kürzlich bilanzierte. Im Mittelmeer sind badewannentaugliche 31 Grad Wassertemperatur gemessen worden.

Klimawandel Die große Dürre
Trockenheit in Europa

Die große Dürre

Verdorrtes Getreide, Wassermangel und Hitzetote: Nach sechs Wochen Trockenheit und Höchsttemperaturen zeigen sich in Deutschland und Südeuropa die Folgen.

Schon im Juni deutete vieles auf eine heiße Phase hin. Aus Erfahrung wissen die Wetterkundigen, dass solche Sommer ein typisches Grundschema aufweisen. Sie blicken beispielsweise auf das Gebiet südlich von Grönland. Ist es dort besonders kühl und die Nordsee vergleichsweise warm, verschiebt sich der Nährboden für Tiefdruckgebiete hinaus auf den Atlantik. Diese Verlagerung wiederum bringt über dem Kontinent eine südwestliche Strömung in Gang, die Luft aus der Sahara direkt nach Deutschland schaufelt. Über Mitteleuropa entwickelt sich dann ein Hitzehoch. Ein trockenes Frühjahr über weiten Teilen des Landes verstärkt diesen Effekt.

Zeigt dieser Sommer 2015 die Zukunft an? Die Klimaprognosen jedenfalls deuten darauf hin, dass dieser Sommer kein Einzelfall bleiben wird, sondern eher die Regel. Wie sollte man darauf reagieren?