Wetterrekord Wärmster April seit Beginn der Temperaturmessungen

Baden bevor die Bäume Blätter tragen: Bereits Anfang April lud der Eisbach in München zur Abkühlung ein.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Der April war im Durchschnitt fünf Grad wärmer als dieser Monat normalerweise im langjährigen Mittel ist.
  • Regional gab es schwere Gewitter, doch insgesamt war der Monat zu trocken. In manchen Regionen herrscht Waldbrandgefahr.
  • Der Rekordmonat könnte eine Folge des Klimawandels sein.

In vielen Regionen Deutschlands könnte man den April in diesem Jahr als einen ersten Sommermonat zählen. Mit teilweise hochsommerlichen Temperaturen von über 30 Grad Celsius und insgesamt überdurchschnittlich viel Sonnenschein lag die hochgerechnete Durchschnittstemperatur bundesweit bei 12,4 Grad, teilte der Deutsche Wetterdienst DWD am Montag mit. Der bisherige Spitzenwert aus dem Jahr 2009 lag bei 11,8 Grad. Der Temperaturdurchschnitt lag damit in diesem Jahr um fünf Grad über dem langjährigen Mittelwert der international gültigen Vergleichsperiode von 1961 bis 1990.

Ursache für die hohen Temperaturen so früh im Jahr seien Hochdruckgebiete über Mitteleuropa und Skandinavien gewesen, erklärt der DWD auf seiner Webseite. Diese hätten im April die Tiefausläufer meist fern von Deutschland gehalten. "So herrschten bereits Anfang des Monats überwiegend frühlingshafte, ab der zweiten Monatshälfte sogar sommerliche Temperaturen."

In Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt lag die Durchschnittstemperatur sogar bei 13 Grad

Für viele Bundesländer und Deutschland insgesamt wurde der Monat so trotz gebietsweise heftiger Gewitter mit Starkregen und schweren Sturmböen der wärmste April seit Beginn kontinuierlicher Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. In Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt lag die Durchschnittstemperatur sogar bei 13 Grad. In Bayern war es nicht ganz so warm bei einer Monatsmitteltemperatur von 12,5 Grad, dafür gab es gut 250 Sonnenstunden.

Neben der ungewöhnlichen Wärme und überdurchschnittlicher Sonnenscheindauer brachte der April aber auch ein deutliches Niederschlagsdefizit. Normalerweise schneien, graupeln oder regnen im April deutschlandweit durchschnittlich 58 Liter Wasser pro Quadratmeter herab. In diesem Jahr betrug die Niederschlagsmenge im Schnitt nur 35 Liter.

Die Unterschiede waren von Region zu Region beträchtlich. An Ostern brachte typisches Aprilwetter an der Ostsee und im Thüringer Wald in kurzer Zeit 20 Liter pro Quadratmeter. In der Hallertau und am Bodensee blieb es im ganzen Monat mit nur etwa zehn Litern pro Quadratmeter am trockensten. Bei der Niederschlagsmenge verzeichnete Bayern einen bundesweiten Negativrekord: Durchschnittlich fielen nur 25 Liter pro Quadratmeter, normalerweise sind es 70 Liter in dem Bundesland. In der Oberpfalz warnte die Feuerwehr aufgrund der extremen Trockenheit bereits vor Waldbrandgefahr.

Experten schreiben die Häufung der Rekordwerte in den vergangenen Jahren dem Klimawandel zu

Im Odenwald war es mit gebietsweise 120 Litern hingegen besonders nass. In der Nacht zu Montag endete der sommerliche Monat zumindest im Westen Deutschlands mit einem Knall. Bei Aachen lieferten kräftige Gewitter mit mehr als 63 Litern pro Quadratmeter die bundesweit größte Tagesmenge in diesem Monat.

Bereits zur Monatsmitte hatte sich abgezeichnet, dass der April 2018 den Temperaturrekord aus dem Jahr 2009 einstellen könnte. Bis zum 22. April lag die Durchschnittstemperatur in Deutschland bereits bei zwölf Grad.

Seit Beginn der kontinuierlichen Wetteraufzeichnungen hatte es bis zum Jahr 2007 niemals einen April mit mehr als elf Grad im Durchschnitt gegeben. 2009 und 2011 lagen die Durchschnittswerte im April ebenfalls über elf Grad. Nach Auffassung der Experten vom DWD lässt sich die Häufung der Rekordwerte in den vergangenen Jahren dem Klimawandel zuschreiben.

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