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Wetter:Warum der Sommer so verregnet ist

Die warme Jahreszeit ist bislang deutlich zu nass, sagen Meteorologen. Manche Orte Deutschlands erleben sintflutartige Starkregenfälle - daran hat auch der Klimawandel seinen Anteil.

Von Benjamin von Brackel, Berlin

Für manche war der bisherige Sommer mehr als nur verregnet: In Teilen Frankens herrschte Starkregen und brachte sonst träge dahinfließende Flüsschen zum Überlaufen und stellenweise sogar Jahrhunderthochwasser. Straßen und Brücken wurden überschwemmt, Keller liefen voll, ganze Ortschaften waren umzingelt von Wassermassen, in denen Mäuse, Maulwürfe und Schnecken trieben. Gräser, die aus der überfluteten Landschaft herausspitzten, waren schwarz von Ameisen, Käfern und Heuschrecken, die sich ins Trockene zu retten versuchten. Augenzeugen beschreiben das, was sie sahen als "apokalyptisch". Als sich das Wasser wieder zurückzog und verdampfte, blieb der Geruch von Morast und Verwesung in der Luft hängen.

Insgesamt war der Sommer in Deutschland bislang deutlich zu nass. Schon der Juniniederschlag lag mit 96 Litern pro Quadratmeter um zehn Liter über dem Durchschnitt der international gültigen Referenzperiode von 1961 bis 1990. Und in der ersten Julihälfte sind mit rund 68 Litern pro Quadratmeter bereits 86 Prozent des Solls erfüllt.

Schuld daran ist eine Großwetterlage, die sich seit Anfang des Monats über Deutschland hält: Tiefdruckgebiete, die feuchte, schwülwarme Luft aus dem Mittelmeerraum bringen. "Wenn die Sonne da hineinscheint, die zu dieser Jahreszeit ihre größte Kraft besitzt, dann brodelt es in der Atmosphäre und es können sich große Niederschlagsmengen entladen", sagt Andreas Friedrich, Sprecher des Deutschen Wetterdiensts (DWD) in Offenbach. "Genauso ist das jetzt passiert."

Dass es Franken so stark getroffen hat? Zufall, meinen Meteorologen

Der Klimawandel spielt dabei auch eine Rolle: Wenn sich die Erde erwärmt, kann die Atmosphäre mehr Wasserdampf aufnehmen, pro Grad Erwärmung sind es sieben Prozent mehr. Dementsprechend mehr kann dann abregnen. Insgesamt hat sich Deutschland bereits um rund zwei Grad Celsius seit Beginn der Industrialisierung erwärmt, aber entscheidend ist die jeweils aktuelle Situation: Und der Juni in Deutschland war mit durchschnittlich 19 Grad Celsius sogar 3,6 Grad wärmer als der Schnitt der Referenzperiode. Der bisherige Juliwert liegt bisher immerhin noch rund 0,7 Grad Celsius darüber.

Wenn es also in extremen Mengen regnet, dann hat der Klimawandel womöglich auch ein Wörtchen mitgesprochen. Wie zuletzt in Franken oder im Erzgebirge, wo diese Woche Starkregen fiel und Sturzfluten auslöste. In Nordrhein-Westfalen führte Dauerregen zu überschwemmten Straßen und vollgelaufenen Kellern, ganze Hänge rutschten ab. In Erkrath, einer Stadt nahe Düsseldorf, appellierte die Stadt sogar an ihre Bewohner, nicht mehr zu duschen, da die Abwasserkanäle durch den Starkregen überfüllt seien und die Kanalisation nicht weiter überlastet werden dürfe.

Dass es erst vor allem Franken und nun auch weite Teile Süd- und Ostdeutschlands sowie Nordrhein-Westfalen getroffen hat, bezeichnet Friedrich als "Zufall". "Unsere Regenradar-Analyse der vergangenen 20 Jahre zeigt: Starkregenereignisse können überall in Deutschland auftauchen, da sie dem chaotischen System geschuldet sind."

Weil Experten aufgrund des Klimawandels mit einem Anstieg an Starkregen rechnen und sintflutartige Regenfälle schon heute zur neuen Normalität gehören, empfehlen sie, sich rasch darauf einzustellen: Vor allem in Städten, die große Flächen mit Straßen und Plätzen versiegelt haben. Würden diese ihre Grünflächen ausweiten, könnte das Wasser dort versickern. Aber auch das Regenwasser ließe sich besser ableiten oder sammeln als bislang.

© SZ/cvei
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