bedeckt München 20°

Wetter:Das miese Wochenende ist ein Mythos

Ist das Wetter an Samstagen und Sonntagen tatsächlich besonders häufig schlecht? Eine deutsche Studie hatte diesen Eindruck bestätigt - doch Schweizer Wissenschaftler sagen nun: Stimmt nicht.

AXEL BOJANOWSKI

Auf die Frage, was auf zwei Tage Regen folgt, weiß der Volksmund eine sarkastische Antwort: Montag. Ausgerechnet am Wochenende ist das Wetter oft schlecht - so hat es jedenfalls den Anschein.

Wieder einmal fällt der Wochenendausflug ins Wasser.

(Foto: Foto: dpa)

Vor einem Jahr behaupteten zwei Meteorologen, das beliebte Vorurteil wissenschaftlich bestätigt zu haben: Das Wetter in Deutschland sei am Wochenende tatsächlich schlechter als werktags.

Am Samstag und Sonntag scheine die Sonne weniger und es regne mehr, berichteten die Karlsruher Wetterkundler. Sie hatten Wetterdaten von 1991 bis 2005 aus zwölf deutschen Orten ausgewertet.

Indes: Die Studie ist offenbar falsch; ein Forscher aus Zürich zerpflückt die Ergebnisse nun im Fachblatt Geophysical Research Letters (Bd.35, S.L05802, 2008).

Harrie-Jan Hendricks Franssen von der Eidgenössisch-Technischen Hochschule Zürich hat die Wetterdaten aus Deutschland überprüft und zudem entsprechende Daten aus den beiden Schweizer Städten Zürich und Lugano aus mehr als 100 Jahren ausgewertet. Er zieht ein harsches Resümee: Das Ergebnis seiner Karlsruher Kollegen halte einer statistischen Kontrolle nicht stand.

Dabei hatten die so kritisierten Dominique Bäumer und Bernhard Vogel vom Forschungszentrum Karlsruhe ihre Analyse sogar mit einer plausiblen Erklärung untermauert.

Autos und Fabriken erzeugen werktags mehr Abgase als am Wochenende. Die Partikel, so vermuteten sie, sammeln sich in der Luft und entfalten ihre größte Wirkung am Wochenende, indem sie das Sonnenlicht blockieren und als Keimzellen für Regentropfen dienen.

Am Montag habe sich der Himmel wieder aufgeklart, das Wetter werde besser, so die Theorie. Vor 1991 habe das Wetter in Deutschland zudem noch nicht den ominösen Rhythmus gehabt, so Bäumer und Vogel. Das liege daran, dass nach der Wende andere Abgas-Partikel in die Luft geblasen wurden als zuvor.

"Wahrscheinlich Zufall"

Hendricks Franssen bezweifelt die Argumente. Dass von 1991 bis 2005 an den Wochenenden tatsächlich oft schlechteres Wetter herrschte, sei "wahrscheinlich Zufall" gewesen, sagt der Züricher Forscher. Genauso könne das Wetter ein paar Jahre lang an anderen Wochentagen schlechter sein als am Wochenende.

Franssen hat für seine Untersuchung die Wetterdaten der letzten Jahrzehnte von seinem Computer immer wieder willkürlich durcheinander würfeln lassen. Das Ergebnis dieser so genannten "Monte-Carlo-Analyse" zeigte, dass sich durchaus 15-Jahre-Zyklen mit eher schlechtem Wochenend-Wetter per Zufall einstellen können.

Dass die Daten von zwölf deutschen Wetterstationen übereinstimmend den Wochenrhythmus zeigten, sei auch kein Beweis. Schließlich herrsche in ganz Deutschland häufig das gleiche Wetter. Die vermeintlich große Datenmenge täusche ein fundiertes statistisches Ergebnis nur vor. Dem widersprechen Bäumer und Vogel heftig: Das Wetter in Deutschland unterscheide sich oftmals sehr wohl von Ort zu Ort.

Um zu prüfen, ob Abgase tatsächlich so gravierend auf das Wetter wirken, analysierte Hendricks Franssen die Wetterdaten von Lugano. Die Schweizer Stadt liegt südlich der Alpen und somit außerhalb des deutschen Wettergeschehens.

"In Lugano war von 1991 bis 2005 der Samstag der sonnigste Tag", berichtet Hendricks Franssen. Dabei müssten die von den Karlsruhern vermuteten Mechanismen auch dort das Wochenend-Wetter versauen, weil der europäische Smog-Meister Mailand in der Nähe liegt.

Er wolle "nicht ausschließen", dass Abgase in Deutschland das Wetter am Wochenende beeinflussen, sagt Hendricks Franssen. "Doch wenn sie einen Effekt haben sollten, dann einen geringen."

Für das verbreitete Gefühl, am Wochenende sei das Wetter oft schlecht, bleibt somit vielleicht nur eine psychologische Erklärung. Am Wochenende fällt das schlechte Wetter eher auf und bleibt stärker im Gedächtnis, weil es die Freizeitpläne stört.

© SZ vom 14.03.2008/mcs
Zur SZ-Startseite