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Wertvolle Rohstoffe:Immer eine positive Energiebilanz

In der Vergangenheit wurden weltweit zwar schon einige wenige Deponien zurückgebaut, zum Beispiel weil sie das Grundwasser verschmutzten oder die Fläche gebraucht wurde. Doch ein Standardverfahren ist das noch längst nicht. Ähnliches gilt für das Trennen und Aufbereiten der Stoffe von der Halde, das zurzeit noch weitgehend von Hand und im Labor stattfindet. "Wir wollen die passenden Technologien entwickeln und eine Checkliste, anhand derer Deponiebetreiber entscheiden können, ob sich ein Rückbau lohnt oder nicht", sagt Goldmann.

Die Clausthaler Forscher sind an sich Experten in Sachen Erzabbau und -aufbereitung. Im Müll-Projekt sind sie deshalb vor allem für den Metallabfall zuständig und verwandeln ihn in hüttentaugliche Konzentrate, zum Beispiel in Mischungen aus Kupfer, Silber, Gold und Zinn oder aus Zink und Blei. Neben den klassischen Deponien haben sie weitere Mülllager im Visier, die praktisch direkt vor ihrer Haustür liegen: die Bergteiche und Abraumhalden der ehemaligen Bergbaugebiete im Harz. Hier lagern vermutlich große Mengen Indium, ein Metall, das vor allem in Flachbildschirmen und Smartphones steckt.

"Indium wird erst seit Mitte der Siebzigerjahre von der Elektronikbranche im großen Stil eingesetzt. Davor wurde es schlicht mit den Erzresten entsorgt", berichtet Goldmann. Wie wertvoll der Indium-Schatz im Harz wirklich ist und wie er sich bergen ließe, wollen die Forscher jetzt erkunden.

Was die klassischen Siedlungsabfalldeponien betrifft, spricht nicht nur der Recyclinggedanke für ihren Rückbau. Schließlich können dabei auch Ökosünden der Vergangenheit rückgängig gemacht werden. Dem Gießener Forscher Gäth zufolge sei die Energiebilanz stets positiv. Nur nach ökonomischen Kritikpunkten fällt das Landfill Mining durch: Noch ist es nicht profitabel. Die Wissenschaftler setzen deshalb vor allem auf steigende Rohstoffpreise.

"Wenn die Preise weiter anziehen, könnten zwischen 2025 bis 2035 erste deutsche Deponien wirtschaftlich rückgebaut werden", schätzt Gäth. Eventuell schon eher, wenn auch andere Gründe für einen Rückbau sprechen, zum Beispiel weil eine Deponie undicht ist, der Giftausstoß nur durch jahrzehntelange teure Nachsorgemaßnahmen gebändigt werden kann, wenn die Fläche anderweitig gebraucht wird - und natürlich wenn eine Deponie besonders gehaltvoll ist.

Die bisherigen Untersuchungen zeigen, dass der Rohstoffgehalt von Müllkippe zu Müllkippe stark schwankt. "Deponien in den neuen Bundesländern etwa enthalten nur wenig Metalle oder Kunststoffe", berichtet Gäth. Zu DDR-Zeiten wurde dort insgesamt weniger konsumiert und entsorgt. Getränkedosen aus Aluminium oder Joghurtbecher waren eben nicht üblich. Auch international gibt es Unterschiede. In Japan sind Flächen rar und teuer, und der Konsum ist eher niedrig. Da geben dann auch Deponien nicht viel her.

In den USA dagegen mit einem hohen Konsum und viel verfügbarer Fläche sind die Mülllager prall gefüllt. Dort, so heißt es in Fachkreisen, liegt alleine an Kupfer die Menge von drei Weltjahresproduktionen ungenutzt auf Halde.

© SZ vom 02.10.2012/mcs

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