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Wenn bedrohte Tiere bremsen:Die Baustopper

Ob Bahnhöfe, Flughäfen, Transrapid oder Papst - sie alle haben potente Widersacher: Bedrohte Tiere wie Käfer, Kröten und Vögel verhindern ihre Vorhaben - oder verzögen sie zumindest.

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Bahn darf vorerst keine Bäume für Stuttgart 21 fällen

Quelle: dpa

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Käfer gegen Bahnhof

Juchtenkäfer (Osmoderma eremita, auch Eremit genannt) und Fledermäuse leben in alten Bäumen im Stuttgarter Schlossgarten. Die Bäume sollen wegen der Umgestaltung des Bahnhofs im Rahmen des Projekts Stuttgart 21 gefällt werden. Doch da die Tiere geschützt sind, hat der BUND geklagt, die Fällung der ersten 25 Parkbäume sei "illegal" gewesen. Ein vom Eisenbahnbundesamt geforderter "Landschaftspflegerischer Ausführungsplan" zum Schutz der Käfer liegt bislang nicht vor. Deshalb dürfen vorerst keine weiteren Bäume gefällt werden. In Frankreich hat der Juchtenkäfer mehrere Jahre lang den Bau der Autobahn 28 verhindert.

Hufeisennasen-Klage wird am 19. Juni verhandelt

Quelle: ddp

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Fledermaus gegen Elbbrücke

Der Einspruch der Unesco nutzte nichts, Dresden wollte die Waldschlößchenbrücke durchs Elbtal und verspielte so dessem Titel Weltkulturerbe. Vorübergehend aufgehalten wurden die Bauarbeiten durch die Kleine Hufeisennase (Rhinolophidae hipposideros), da Naturschützer festgestellt hatten, dass der Bau die geschützte Fledermaus bedrohen könnte. Nach einigen Monaten wurde die Brücke jedoch weitergebaut.

Biber südlich von Hannover vermutet

Quelle: dpa

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Biber gegen Elbbrücke

Eine vorrübergehende Unterbrechung der Bauarbeiten an der Waldschlößchenbrücke durchs Elbtal wurde auch durch einen Biber (Castor fiber) erzwungen, der dort einen Bau angelegt hatte. Nachdem er Anfang Oktober wieder umgezogen zu sein scheint, geht es jetzt weiter.

Kammmolch

Quelle: oh

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Kammmolch gegen Autobahn

Der Kammmolch (Triturus cristatus) gehört zu den Schwanzlurchen, wird zehn bis 20 Zentimeter lang und lebt in Tümpeln. Der unscheinbare Molch hat es geschafft, dass eine ganze Autobahn umgeleitet wird. Massive Molch- und Menschenproteste führten zu einem Wandel in der hessischen Landesverkehrsplanung. Nach Klagen von Naturschutzverbänden wurde die ursprüngliche Trassenplanung der Autobahn A 49 in Mittelhessen verlegt. Die Autobahn hätte den Lebensraum von Tausenden Kammmolchen durchschnitten.

Rote Liste der gefährdeten Wirbeltiere Deutschlands - Feldhamster

Quelle: dpa

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Hamster gegen Industrieparks

Einst fraß der Feldhamster (Cricetus cricetus) den Bauern das Korn vom Feld. Aber solche Konflikte zwischen Bodenbewohnern und Bodenbesitzern sind längst Folklore. Heute verkaufen die Bauern ihren Grund gern an Investoren. Der Hamster aber bleibt. Früher gab es Kill-Prämien und Giftköder, nun sind die dezimierten Tiere streng geschützt. Wo der Hamster wohnt, demonstrieren seine Freunde, kommt kein Bau voran. Und manche, wie etwa die Betreiber des vom Nager gestoppten Lichtenberger Industrieparks, sind sicher: Erst war der Protest, dann der Hamster.

Vom Aussterben bedrohte Kiebitze brüten wieder

Quelle: dpa

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Kiebitz gegen Papst

Der Kiebitz (Vanellus vanellus) ist eine Vogelart aus der Familie der Regenpfeifer und lebt in niederen Wiesen- und Weidelandschaften. Auf eben solch einer Wiese in Hangelar bei Köln wollte Papst Benedikt beim katholischen Weltjugendtag im August 2005 auf einen Hügel steigen, um sich von einer Million Jugendlichen feiern zu lassen. Nur: den Hügel gab es noch nicht. Dafür aber: Kiebitze, Kreuzkröten, Krickenten und einen seltenen Halbtrockenrasen. Weil ein zwölf Meter hoher Papsthügel Flora und Fauna empfindlich gestört hätte, musste der Heilige Vater weichen.

Wechselkröte

Quelle: oh

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Wechselkröte gegen Transrapid

Die Wechselkröte (Bufo viridis), sagen Naturschützer, lebt idyllisch im Münchner Norden auf einem Schotterplatz. Genau dort aber soll die Bohrmaschine für den Transrapid-Tunnel zusammengebaut werden. Das Tier ist gut getarnt, was erklären mag, warum es bislang noch nie jemand dort leibhaftig gesehen hat. Es steht auf der Roten Liste und dem Transrapid im Wege. Dessen Gegner können darauf verweisen, dass die Kröte ,"vegetationsarme Trockenbiotope'" schätzt, was auf die Schotterfläche wohl zutrifft.

Löffelente

Quelle: U.S. Fish and Wildlife Service

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Löffelente gegen Airbus

Die Löffelente (Anas clypeata) ist wählerisch. Sie liebt es schlammig, braucht freie Wasserflächen und trotzdem jede Menge Schilf. Diese Bedingungen waren im Mühlenberger Loch bei Hamburg erfüllt. Nur wollten dort die Flugzeugbauer von Airbus ihr Werk erweitern. Dank des Riesenvogels A380 sollte die Löffelente auf die Elbinsel Hahnöfersand umziehen. Die jedoch boykottierte ihre neue Heimat. Nur 35 Vögel, so Naturschützer, hätten sich am Hahnöfersand blicken lassen.

Kinderdienst: Viele Wirbeltiere auf der Roten Liste

Quelle: ddp

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Großtrappe gegen ICE-Trasse

Die Großtrappe (Otis tarda) ist ein Tier der Superlative: Mit einer Spannweite von bis zu 260 Zentimetern ist sie nicht nur der größte flugfähige, sondern auch der wohl stressanfälligste Vogel der Welt. Kleinste Störungen können die Fortpflanzung der 18-Kilo-Kolosse verhindern. Was die Trappe leider auch zu einem der teuersten Vögel Deutschlands macht: 25 Millionen Mark hat allein der Schutz für etwa fünf Dutzend Trappen beim Bau der ICE-Trasse Berlin-Hannover 1996 gekostet: für Lärmschutzwände, zusätzliche Erdwälle sowie den Baustopp während der Paarungs- und Brutzeit.

WACHTELKÖNIG

Quelle: DPA/DPAWEB

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Wachtelkönig gegen Wohngebiet

Der Wachtelkönig (Crex crex) hat empfindliche Ohren. Daher wird nun die neue Autobahntrasse zwischen Hamburg und Stade wohl einen großen Bogen um sein Gebiet machen. Außerdem redet man in Hamburg schon von Lärmschutzwänden, Flüsterasphalt und Tempolimits. Der Bodenbrüter hatte bereits in den neunziger Jahren den Bau einer Großsiedlung verhindert - und dabei CDU und Grüne einander näher gebracht. Beide hatten gegen den Bau gestimmt. Die Grünen wegen des Wachtelkönigs, die CDU befürchtete die Entstehung eines Ghettos.

Bachneunauge  Short-Headed Lamprey

Quelle: Reuters

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 Bachneunauge gegen Flughafen

Das Bachneunauge (Lampetra planeri) ist ein trauriger Wurm. Der 500 Millionen Jahre alte Fischvorfahr buddelt sich fast sein ganzes Leben im Flusssand ein, lässt sich Fressen ins Rundmaul treiben und sieht fast nichts. Und doch kann er Düsenjets gefährlich werden: denen am Airport Münster-Osnabrück. Dort wohnt das bedrohte Tier im Eltingmühlenbach, der fließt, wo die Start- und Landebahn verlängert werden soll. Zehn Millionen Euro kostet das Pilotprojekt, bei dem eine 400 Meter lange Brücke mit 50 Fenstern den geschützten Bachlauf überquert.

Zwergfledermaus Jungtier

Quelle: Nabu/Gerhard Mäscher

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Zwergfledermäuse gegen Fahrradtunnel

In Wuppertal entzweiten Zwergfledermäuse (Pipistrellus pipistrellus) Umweltschützer und große Teile der Bevölkerung. Die Tiere übernachten in alten Tunneln, durch die Fuß- und Radwege gelegt werden sollen. Der eigentlich umweltschonende Verkehr dürfte die Tiere im Winter stören - mit möglicherweise tödlichen Folgen. Der Streit geht weiter.

NEUER ANLEGER AM SKANDINAVIENKAI IN LÜBECK-TRAVEMÜNDE

Quelle: DPA

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Windelschnecke gegen Hafenterminal

Die Bauchige Windelschnecke (Vertigo moulinsiana) lebt in Feuchtgebieten und ist vom Aussterben bedroht. Besonders gefährdet ist sie in einem großen Feuchtgebiet von Travemünde, dem Hafen. Für 2,2 Millionen Euro will die Hafengesellschaft ein Eisenbahnterminal am Skandinavienkai bauen. Sechs Monate verhinderte die 2,2 Zentimeter kleine Schnecke mit Hilfe von BUND-Naturschützern den Baubeginn. Die Hafengesellschaft verpflichtete sich schließlich, für die Weichtiere einen "schneckenfreundlichen Teich" in der Nähe anzulegen.

(Unter Verwendung eines SZ-Textes vom 19.10.2007)

© SZ/sueddeutsche.de/mcs
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