Weltraumforschung:Viel Staub um Saturn

Astronomen haben um den Saturn einen weiteren Ring entdeckt: Er ist aus Staub und hat gigantische Ausmaße. Der Fund könnte Licht auf ein lange ungeklärtes Rätsel der Astronomie werfen.

Patrick Illinger

Astronomen haben einen riesigen Staubring um den Planeten Saturn entdeckt. Das Gebilde ist außergewöhnlich groß und deutlich weiter von Saturn entfernt als die bekannten Ringe des Planeten.

Gefunden wurde der Reifen aus winzigen Staub- und Eispartikeln auf Bildern des Weltraumteleskops Spitzer, das den Kosmos im Infrarotlicht erforscht. Der neu entdeckte Ring erstreckt sich über einen Radius von sechs bis 18 Millionen Kilometer, und hält damit rund 50-mal so viel Abstand von Saturn wie dessen klassische, mit normalen Fernrohren sichtbaren Ringe. Auch ist der neue Ring etwa 20-mal so dick wie sein planetares Zentrum.

Die mit dem Spitzer-Teleskop arbeitenden Astronomen berichten außerdem, dass der neu entdeckte Ring nicht in der gleichen Ebene liegt wie die bekannten Saturnringe. Er ist um etwa 27 Grad gegenüber diesen geneigt. Die an dem Fund beteiligten Astronomen vermuten im Fachjournal Nature, dass der Staub des riesigen Ringes vom Saturnmond Phoebe stammt (online, vorab veröffentlicht).

Dieser umkreist Saturn auf einer ähnlich geneigten Bahn, und wurde in der Vergangenheit wohl von anderen Himmelskörpern getroffen. Vermutlich wandert ein Teil des von Phoebe aufgewirbelten Staubes in Richtung des Saturn, wo er auf einen weiteren Mond, Iapetus, trifft.

Das könnte ein lange ungeklärtes Rätsel der Astronomie lösen: Der Saturnmond Iapetus hat nämlich zwei auffallend unterschiedliche Seiten. Eine ist deutlich dunkler als die andere.

Möglicherweise ist hierfür der eisige Staub des eben entdeckten Saturnringes verantwortlich, indem er auf Iapetus prallt, "wie Fliegen, die auf eine Windschutzscheibe klatschen", sagt die Spitzer-Astronomin Anne Verbiscer von der University of Virginia.

Erstaunt äußern sich Himmelsforscher über die ungeheure Größe des neu entdeckten Rings. Er ist eine der umfangreichsten Erscheinungen im Sonnensystem, wenn auch eine äußerst zarte.

Die Eis- und Staubteilchen des Ringes sind winzig und haben große Abstände. Befände man sich in der Wolke, würde man gar nichts davon bemerken, sagen die beteiligten Astronomen. In einem Kubikkilometer des Rings gibt es nur zwischen zehn und 20 Staubpartikel.

© SZ vom 08.10.2009/gal
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB