Weltraum-Thriller "Gravity" Die unrealistische Wäsche der Sandra Bullock

Rätselhaft bleibt zudem, wieso der Funkverkehr mit der Bodenstation ausfällt. Im All läuft die Kommunikation über ein Netzwerk von Satelliten, die alle wesentlich höher kreisen als alle Raumstationen und Spaceshuttles. In Wahrheit kann man auch die Gesichter der Astronauten hinter der Goldbeschichtung ihres Helms gar nicht sehen.

Albern wird es, sobald die Protagonisten eine Luftschleuse öffnen. Da springt jedes Mal die Klappe auf und schleudert den Astronauten wie eine Gummipuppe herum, während dieser sich mit einer Hand am Griff festklammert. Nicht nur, dass Astronauten in echt von solchen Stunts verschont werden: Die Zugänge zu Luftschleusen gehen nach innen auf.

Eine Art Jetpack, mit dem Astronaut Matt Kowalski dank einiger Steuerdüsen frei durchs All schweben kann, gab es tatsächlich. Das Ding nannte sich Manned Maneuvering Unit (MMU), wurde allerdings 1984 von der Nasa eingemottet.

Etwas schwer tun sich Raumfahrtexperten mit der hektischen Action im Außenbereich. Da bewegen sich die Filmhelden manchmal, als gehe es um eine Goldmedaille im Reckturnen. Tatsächlich verlaufen "Extravehicular Activities", mitunter Weltraumspaziergänge genannt, wesentlich gemächlicher. "Bis sich der Astronaut außen an der Station entlanghangelt, vergeht schon mal eine Stunde", sagt DLR-Flugdirektor Zoeschinger, "und nach sechs Stunden im normalen Außeneinsatz sind sie schweißgebadet." Allein die unter Luftdruck stehenden Handschuhe, seien "mörderisch schwer zu betätigen", bestätigt der US-Raumfahrtjournalist Jeffrey Kruger.

Ins Staunen geraten die Insider auch, wenn Sandra Bullock in der Raumstation aus dem klobigen Anzug steigt. Am Körper trägt sie lediglich ein T-Shirt und eine sportliche Unterhose. In der Realität sind Astronauten in ein Geflecht aus Funktionswäsche, Kabeln und Schläuchen verpackt. Und sie tragen, man kann es an dieser Stelle nicht verschweigen, eine Windel. Sandra Bullock nach atemraubenden Weltraumstunts mit einer Windel? Nein, so viel Realismus muss dann doch nicht sein.