Weltraum Dieser Stern ist zu rund, um wahr zu sein

Der rundeste Stern des Weltalls? Kepler 11145123 und die Sonne.

(Foto: dpa)

Der Himmelskörper Kepler 11145123 ist "das rundeste je in der Natur entdeckte Objekt". Was steckt dahinter?

Von Patrick Illinger

Der Ball ist rund, heißt es. Gemeint ist üblicherweise der Fußball, und das eher in einem übertragenen Sinne: Man weiß nie genau, wohin er rollt. Nimmt man den Spruch hingegen wörtlich und verallgemeinert ihn auf alle möglichen Bälle, so zeigt sich, dass er keineswegs immer stimmt. Der Erdball ist zum Beispiel mitnichten rund. Grund ist die Zentrifugalkraft, die den rotierenden Planeten um den Äquator herum in die Breite drückt. So ist die Erde also keine Kugel, sondern ein sogenannter Rotationsellipsoid. Die Distanz von Pol zu Pol ist geringer als der Durchmesser von einer Seite des Äquators zur anderen.

Weil praktisch alle Objekte des Weltraums mehr oder weniger schnell vor sich hin rotieren, ist kein Himmelskörper in einem streng naturwissenschaftlichen Sinne rund. Nun allerdings berichten Astronomen von einem Stern namens Kepler 11145123, dessen Rundung erstaunlich nah an eine perfekte Kugel herankommt. Es sei das rundeste je in der Natur entdeckte Objekt, berichtet eine Forschergruppe des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung und der Universität Göttingen.

Als ob ein Fußball eine Ausbeulung von nur 0,0001 Millimeter hätte

Die wahre Rekordleistung liegt in der Messung selbst: Der 5000 Lichtjahre entfernte Stern erscheint auch mit den größten Teleskopen der Welt nur als Punkt. Wie also misst man die Rundung eines solchen Objekts? Die von Laurent Gizon geleitete Gruppe nutzte dafür winzige Schwankungen der Helligkeit. Vier Jahre lang zeichnete das Weltraumteleskop Kepler die Leuchtkraft des Sterns auf, konnte dadurch auf Druckwellen schließen, welche den heißen Gasball erzittern lassen.

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Die Sterne so nah

Daraus entschlüsselten Gizon und sein Team die Geometrie des Sterns. Während die Sonne aufgrund ihrer Eigendrehung am Äquator einen zehn Kilometer größeren Radius hat, weicht der mehr als doppelt so große Stern Kepler 11145123 lediglich um drei Kilometer von der perfekten Kugel ab. Auf einen Fußball bezogen entspräche dies einer Ausbeulung von nur 0,0001 Millimeter.

Die Erde mit ihrer Umdrehungszeit von 24 Stunden ist rund um den Äquator etwa 21 Kilometer dicker als zwischen den Polen. Das ist zwar bezogen auf den Gesamtdurchmesser von gut 12 700 Kilometern auch nicht viel. Die äquatoriale Auswölbung übertrifft aber doch deutlich die Höhe des Mount Everest.

"Unsere Sonne hat kein vergleichbares Magnetfeld"

Das präzise Vermessen von Sternrundungen ist nicht nur eine geometrische Spielerei: Die Rekordkugel Kepler 11145123, so zeigt es sich, birgt weitere Geheimnisse. Die Rundung des Sterns ist nämlich zu perfekt. Er ist runder, als es aufgrund der Eigenrotation zu erwarten wäre. Ein weiterer Mechanismus muss daher am Werk sein, der diesen Stern in Form bringt. Das ist, so sind die Max-Planck-Forscher überzeugt, ein ominöses Magnetfeld. Für die Astronomen ist das überraschend, "weil unsere Sonne kein vergleichbares Magnetfeld hat", sagt Laurent Gizon. Es gibt also nicht nur einen Rekord zu melden, sondern auch ein neues Rätsel am Nachthimmel.

Würde man den Max-Planck-Astronomen einen Fußball zur genauen Prüfung seiner Kurven überlassen, wäre wohl schnell die Mär vom runden Ball dahin. Insofern sollten Astronomen bei ihren Sternen bleiben.

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