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Weltraum:Der seltsame Steve

Polarlicht "Steve" über Kanada

(Foto: Esa / Dave Markel)
  • Hobbybeobachter entdecken ein schweifartiges leuchtendes Band, das in unregelmäßigen Abständen wie ein leuchtender Bogen steil in den Polarhimmel ragt.
  • Seither bekommt "Steve" eine Menge Aufmerksamkeit von der Fachwelt.
  • Satelliten der Europäischen Raumfahrtbehörde, die das Magnetfeld der Erde kartieren sollen, haben das leuchtende Band untersucht.

Von Patrick Illinger

Einen Namen hat es mittlerweile, das neue Himmelsphänomen. "Steve" heißt ein schweifartiges leuchtendes Band, das in unregelmäßigen Abständen wie ein leuchtender Bogen steil in den Polarhimmel ragt. Entdeckt hatten es zunächst Hobbybeobachter, die im Norden Kanadas Polarlichter verfolgten.

Dann machte Steve zunächst bei Facebook Karriere, bis einige der Polarlichtfans zufällig dem kanadischen Himmelsforscher Eric Donovan von der University of Calgary begegneten. Als sie ihm ihre Bilder zeigten, so erinnert sich Donovan, musste er zugeben: "Ich habe keine Ahnung, was das ist." Gemeinsam mit den Hobbyfotografen entschied man sich, das Phänomen einfach Steve zu nennen.

So bleibt Steve derzeit auch für die Fachwelt: einfach nur Steve

Seither bekommt Steve eine Menge Aufmerksamkeit von der Fachwelt. Sogar Satelliten der Europäischen Raumfahrtbehörde, die das Magnetfeld der Erde kartieren sollen, haben das leuchtende Band untersucht. Als einer der Swarm-Satelliten der Esa einmal mitten durch die Leuchterscheinung flog, stellte die Sonde verschiedenes fest: Das Band ist gut 20 Kilometer dick, die Temperatur im Inneren ist Tausende Grad Celsius höher als in der Umgebung, und: Es fließen darin keine geladenen Partikel. Letzteres bedeutet, dass es kein klassisches Polarlicht ist.

Polarlichter entstehen üblicherweise, wenn von der Sonne kommende, elektrisch geladene Partikel auf das Magnetfeld der Erde stoßen, dadurch abgelenkt werden und in spiralförmigen Bahnen in Richtung Nordpol niederregnen. Sie erzeugen üblicherweise wellenartige Gebilde, die sich quer über den Horizont ausbreiten. Steve dagegen manifestiert sich als senkrechte Säule, teilweise rosarot und dann wieder grünlich leuchtend.

Wenn elektrisch geladene Partikel der Sonne auf Luftmoleküle treffen, werden diese ionisiert, was Leuchterscheinungen auslöst. Die häufigsten Sonnenpartikel sind Elektronen. Im Fall von Steve wurde eine Weile lang vermutet, dass womöglich Protonen am Werk sind, welche deutlich schwerer als Elektronen sind. So ließe sich der optische Unterschied zu klassischen Polarlichtern erklären. Doch das hält Eric Donovan für ausgeschlossen. Protonenströme sind seiner Erfahrung nach unsichtbar. So bleibt Steve derzeit auch für die Fachwelt: einfach nur Steve.

© SZ vom 27.04.2017/fehu
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