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Weltklimagipfel in Durban:"Bisschen hart verhandeln"

Damit wächst der Druck auf die EU. Europa ist mittlerweile der Pfeiler des Abkommens. Japan, Kanada und Russland wollen aussteigen, neben der EU bleiben Staaten wie die Schweiz, Australien und Norwegen. Willigt die EU nicht in die Verlängerung des Kyoto-Protokolls ein - etwa weil ihr die Zugeständnisse der Schwellenländer nicht weit genug gehen -, scheitert die Konferenz. Europa, das sich gern als Vorreiter sieht, stünde am Pranger. Die Lage ist heikel. "Bisschen hart verhandeln", sagt Röttgen, "das muss man sich hier angewöhnen."

Wohl wahr. Seit Mittwoch kursiert ein neuer Verhandlungstext für die Konferenz. Solche Texte sind Ergebnis mühevoller Kleinarbeit in Dutzenden Arbeitsgruppen. In kleinen Räumen durchforsten die Diplomaten Satz für Satz, immer auf der Suche nach Streitpunkten, die sich schon jetzt ausräumen lassen. Normalerweise werden diese Entwürfe im Laufe der Zeit kürzer, dieser aber ist länger geworden. In nahezu allen wichtigen Fragen gibt es Alternativformulierungen, mitunter sieben verschiedene Optionen für ein und dasselbe Problem.

Nicht anders bei der alles entscheidenden Frage, wie ein künftiges Abkommen aussehen soll. Aus vier unterschiedlichen Vorschlägen wurden mittlerweile sechs. Das Spektrum reicht von der Vereinbarung eines neuen Klimaabkommens schon im kommenden Jahr bis hin zur ergebnislosen Vertagung. Selbst die Einleitung, die eine "gemeinsame Vision" formulieren soll, kommt nicht ohne Einschränkung daher. Es gebe "kein Einvernehmen über eine gemeinsame Vision", die Konferenz solle doch bitte die Suche nach einer solchen Vision anstoßen. Allerdings ist auch dieser Passus umstritten, er steht in den eckigen Klammern des Dissenses. Große Politik - auf Klimakonferenzen kommt sie mitunter sehr kleinkariert daher.

Vor allem auf Gastgeber Südafrika lasten nun viele Hoffnungen. Präsident Jacob Zuma hatte die Verhandlungen der Minister mit einer vielbeachteten Rede eröffnet. Darin trat er für die Verlängerung des Kyoto-Protokolls ein und für ein neues Abkommen, verbindlich für alle, abzuschließen bis 2020. "Wenn diese Frage nicht geklärt wird, werden Ergebnisse in anderen Fragen extrem schwierig", warnte Zuma. Südafrika ist nicht mehr irgendwer in der Klimadiplomatie; zusammen mit China, Indien und Brasilien bildet es einen eigenen, starken Verhandlungsblock. Mutmaßlich ist das jener Block, der in den nächsten 36 Stunden über Erfolg oder Misserfolg entscheiden wird.

Nur ein großer Staat spielt keine Rolle mehr; es sind die USA. Niemand in Durban rechnet damit, dass sich die Amerikaner auf ein Abkommen einlassen. Sie dürfen ihm nur nicht mehr im Weg stehen.

© SZ vom 08.12.2011/beu

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