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Wasserverbrauch:Die versteckten Kosten

Wie viel Wasser steckt in einer Tasse Kaffee? 140 Liter, wenn man die Herstellungskosten dazurechnet - und das sollte man.

Silvia Liebrich

Seit den achtziger Jahren geht der Trinkwasserverbrauch in Deutschland stetig zurück. Pro Kopf und Tag hat er sich inzwischen bei 124 Litern eingependelt. Doch der Anschein trügt, denn diese Zahl gilt nur für den sichtbaren, direkten Verbrauch, der etwa über die Wasseruhren in privaten Haushalten abgerechnet wird. Tatsächlich steigt der Wasserverbrauch in Deutschland seit Jahren. Grund dafür ist der wachsende Einsatz an sogenanntem virtuellem Wasser.

Ein Beispiel: Wer gern mit einer Tasse Kaffee in den Tag startet, braucht nicht nur das dafür notwendige Wasser zum Aufbrühen. Der tatsächliche Verbrauch liegt wesentlich höher, rechnet man die Menge an Wasser ein, die auf der Kaffeeplantage und bei der späteren Verarbeitung anfällt. Unter dem Strich werden deshalb für eine Tasse Kaffee insgesamt 140 Liter verbraucht, besagen Zahlen der Umweltschutzorganisation WWF und der UN-Organisation Unesco.

In Fachkreisen wird die Menge an Wasser, die zur Herstellung eines Produktes notwendig ist, als "virtuelles Wasser" bezeichnet. Dieser Begriff geht zurück auf den britischen Wissenschaftler John Anthony Allen. Er entwickelte das Konzept in den neunziger Jahren am Londoner King's College. Es schließt neben der Wassermenge, die am Produktionsstandort anfällt, auch den Anteil ein, der verschmutzt und unbrauchbar wird.

Stellt man diese Rechnung für deutsche Verbraucher auf, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Statt der genannten 124 Liter kommt jeder Bundesbürger auf eine Tagesration von 5288 Liter Wasser, was ungefähr dem Volumen von 25 vollen Badewannen entspricht. Die Hälfte davon wird indirekt mit Waren aus dem Ausland importiert. Bedenklich ist dies, weil darunter viele Länder sind, die selbst unter Trockenheit leiden.

Den mit Abstand größten Posten in der virtuellen Wasserbilanz bilden Agrarerzeugnisse mit einem Anteil von mehr als 70 Prozent. Allein um den Konsum an Kaffee und Kakao zu befriedigen, werden jedes Jahr 20 Milliarden Kubikmeter virtuelles Wasser importiert. An zweiter Stelle folgen Industriegüter. Das Konzept des virtuellen Wassers macht den direkten Zusammenhang zwischen Verbrauch und dem Lebensstil der Menschen in den betroffenen Ländern deutlich: Je höher der Standard, desto mehr wird verbraucht.

© SZ vom 05.08.2009/beu

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