Walfang im Nordatlantik:Tonnenweise gefrorenes Walfleisch

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In der rot-grünen Koalition, die heute das Sagen hat, gibt es zwar viele Walfanggegner. Dennoch tastete die neue Regierung die Quote nicht an. Dem Fischereiministerium zufolge ist das in diesem Jahr einfach aus juristischen Gründen unmöglich. Allerdings will man die Quote für die nächsten Jahre "überprüfen".

Hunderte Tonnen Walfleisch eingefroren

Dabei dürfte eine wichtige Rolle spielen, was mit den Hunderten Tonnen Finnwalfleisch geschieht, die Loftssons Firma in diesem Sommer verpackt und eingefroren hat. Auf Island gibt es dafür keinen Bedarf. Die Menge ist zu groß für die kleine Insel, zudem essen Isländer lieber Zwergwale - deren Fleisch ist ein beliebtes Grillgericht, auch weil es billig ist. Loftsson hat zwar mehrfach angekündigt, er werde seine Finnwale nach Japan verkaufen.

Aber dort ist trotz vieler Bemühungen, den Walfleischkonsum anzukurbeln, die Nachfrage nur sehr gering. Tatsächlich ist laut isländischer Exportstatistik 2009 noch kein Gramm Wal nach Japan verkauft worden. Und Greenpeace veröffentlichte kürzlich den Mitschnitt eines Telefongesprächs mit einem japanischen Walfleisch-Importeur. Darin sagt der Japaner einem Aktivisten ganz offen, er plane in diesem Jahr keinen Einkauf in Island. Es gebe keinen Markt für die Finnwale.

Wenn das stimmt, sitzt Island auf einem großen unverkäuflichen Fleischberg, der nichts einbringt als Probleme. Etwa beim jetzt angelaufenen EU-Beitrittsverfahren: Brüssel hat kürzlich einen 300 Seiten starken Fragebogen an den Kandidaten Island geschickt. Auf Seite 285 wird die Regierung gebeten, die Sache mit dem Walfang zu erläutern. Umweltschützer Finnson freut sich. "Die EU wird diese Jagd niemals akzeptieren", sagt er.

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