Walfang im Nordatlantik:Sinnloses Schlachten

Lesezeit: 3 min

Vor Island läuft eine der größten Waljagden der Welt. Dabei gibt es für die tonnenschweren Fleischberge noch nicht einmal Abnehmer.

Gunnar Herrmann

Tierschützer sind empört - auf Island hat in diesem Sommer eine der größten Walfangaktionen der Welt begonnen. Etwa 100 Tiere haben die Schiffe des Unternehmers Kristjan Loftsson schon erlegt. Und es könnten noch mehr werden: Loftssons Firma Hvalur hat eine Fangquote für insgesamt 150 Finnwale erhalten.

"Bloß ein politisches Spiel"

"Sinnlos" sei das, sagt der isländische Umweltaktivist Arni Finnson, es gebe keinen Abnehmer für das Fleisch. Auf Island wird es so gut wie nicht gegessen. Auch in Japan - wohin Hvalur die Beute exportieren möchte - ist Finnwal aus der Mode gekommen. Greenpeace meint sogar beweisen zu können, dass dort niemand das Walfleisch kaufen wird. "Das ganze ist bloß ein politisches Spiel", schimpft Finnson.

Finnwale sind nach den Blauwalen die zweitgrößten Tiere der Erde, ausgewachsene Weibchen wiegen bis zu 70 Tonnen. Durch exzessive Jagd wurden sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fast ausgerottet, damals wurden jährlich teils Zehntausende Tiere harpuniert. 1986 beschloss die Internationale Wahlfangkommission ein Moratorium.

Zum Abschuss freigegeben

Der Finnwal steht auf der Roten Liste und wird durch das Internationale Artenschutzabkommen geschützt. Dennoch ließ Islands Regierung im Sommer 2006 wieder kommerzielle Jagd zu. Die Begründung: Der Finnwal sei zwar woanders auf der Welt bedroht, im Nordatlantik um Island herum gebe es jedoch genug davon. Sieben Tiere wurden 2006 zum Abschuss freigegeben.

Das Fleisch der Finnwale, fast 100 Tonnen, konnte erst zwei Jahre später, Mitte 2008, nach Japan geliefert werden. Loftsson hatte offenbar Probleme gehabt, die Anforderungen japanischer Gesundheitsbehörden zu erfüllen. Loftsson ist der einzige Walfänger, der Jagd auf Finnwale macht. Er ist überaus beharrlich: In den vielen Jahren, in denen Finnwale auch auf Island geschützt waren, ließ er seine vier Fangschiffe in einem Hafen nahe des Zentrums der Hauptstadt Reykjavik ankern. Er hielt die arbeitslose Flotte stets so gut in Schuss, dass sie jederzeit hätte auslaufen können. Sie wurde zum Symbol für den Kampf gegen das Fangverbot.

Nach 2006 erteilte die Regierung zunächst keine neuen Fanglizenzen für Finnwale mehr. Man wollte abwarten, ob sich das Geschäft überhaupt lohnt. Aber als Loftsson das Fleisch der ersten sieben Tiere nach Japan verschifft hatte, schwanden offenbar die letzten Bedenken. Anfang 2009 gab Fischereiminister Einar Gudfinnsson 150 Tieren pro Saison zum Abschuss frei, die Quote schrieb er gleich für die nächsten fünf Jahre fest. Es war eine seiner letzten Amtshandlungen: Gudfinnssons Regierung musste wegen der Proteste in Folge der Finanzkrise zurücktreten.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB