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Waldbrände in den USA:Die Feuerspringer von Montana

In den Rocky Mountains haben Waldbrände in den vergangenen Jahrzehnten massiv zugenommen. Verwegene Feuerwehrleute mit Fallschirmen kämpfen dagegen an.

Wenn der Winter nach Missoula kommt, kann Dan Cottrell endlich wieder flicken und nähen. Der Feuerwehrmann verbringt dann seine Tage an einer alten Industrienähmaschine und fertigt dicke, feuerfeste Overalls an. Die Kleidung will sorgfältig geschneidert sein, schließlich soll sie ihn beschützen, wenn er aus einem Flugzeug über brennenden Wäldern abspringt.

Waldbrand in Montana, 2001

Waldbrand in Montana 2001. Von März bis November ist Waldbrandsaison in den Rocky Mountains.

(Foto: AP)

Später inspiziert Cottrell die Fallschirme, die in einer doppelstöckigen Halle zum Trocknen hängen. Er zieht die Falten auseinander und prüft das blau oder rot schimmernde Gewebe auf beginnende Risse. Und er kontrolliert das Haltbarkeitsdatum der Bündel in den Regalen hinter dem langen Packtisch, aus denen die Männer bei Alarm ihre Fallschirme ziehen. Spätestens alle sechs Monate werden die Gespinste aus Nylon und Schnüren neu verpackt, damit sich an den Falten keine Schwachstellen bilden. Natürlich machen das nur die Feuerwehrleute, die wie Cottrell eine Lizenz zum Falten haben.

Von März bis November ist Waldbrandsaison in den Rocky Mountains. Bei Alarm müssen die Feuerspringer binnen Minuten ihre Ausrüstung anlegen und in die DC-3 oder die kleinere Sherpa klettern. Aus dem Flugzeug springen sie über schwer zugänglichen Brandherden ab, möglichst wenn das Feuer noch relativ klein ist.

Die Maschinen stehen am Rande des Flughafens von Missoula im Südwesten Montanas, den die Bewohner der Universitätsstadt international nennen, weil auch Maschinen aus dem benachbarten Kanada landen. Von hier aus erreichen die Feuerspringer die wilde Berglandschaft der Rocky Mountains, den Yellowstone-Nationalpark und ein Dutzend geschützter staatlicher Wälder. Ihre Feuerwache ist die größte "Smokejumper"-Basis des Landes; von den landesweit 400 Fallschirm-Feuerwehrleuten sind hier 75 stationiert, ihr Einsatzgebiet reicht von New Mexico bis Alaska und nach Westen bis zur Pazifikküste.

Sie haben viel zu tun, die Brände in den USA sind in den vergangenen Jahrzehnten immer bedrohlicher geworden. Die Saison, in der Feuer durch die Rockies brennen, hat sich seit den 1970er-Jahren um 78 Tage verlängert. Die Behörden zählen nun im Mittel 74.000 Feuer pro Jahr, die 2,7 Millionen Hektar Wildnis vernichten. In der Statistik verbrannter Flächen seit 1960 belegen die Jahre 2004 bis 2007 die ersten vier Plätze; nur zwei Jahre der Zeit vor 1996 schaffen es unter die ersten Zehn.

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