Die Rettungsaktion für den bei Wismar gestrandeten Buckelwal hat begonnen. Sechs Helfer haben sich im hüfttiefen Wasser zu dem Buckelwal begeben, wie im Livestream von News 5 zu sehen war. Unter anderem spritzten sie Wasser auf den Wal. Ehe sie sich wieder entfernten, legten sie eine Art Tuch auf das Tier, das allerdings nur einen kleinen Teil von ihm bedeckt.
Die Helfer wollen versuchen, Luftkissen unter das Tier zu bringen und es schonend anzuheben. Dazu soll zuvor Schlick unter ihm weggespült werden. Der Wal soll dann auf einer Plane zwischen zwei Pontons gelagert und in die Nordsee beziehungsweise in den Atlantik transportiert werden. Ein Schlepper soll die Pontons ziehen.
Mittlerweile ist ein Lkw-Konvoi mit für die Rettung benötigten Mobilkränen, riesigen Schwimmpontons und Rohren am Hafen von Kirchdorf auf der Ostsee-Insel Poel angekommen. Insgesamt kamen fünf große Lkw auf dem Hafengelände an. Auf dem gesperrten Parkplatz wurden Rohre entladen. Wann und wie das schwere Gerät ins Wasser gebracht wird, ist unklar.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte den Rettungsversuch einer privaten Initiative für das unter dem Namen „Timmy“ bekannt gewordene Tier zuvor erlaubt. Die Behörden hätten das entsprechende Konzept geprüft und ihm zugestimmt. „Das nun vorliegende Konzept setzt auf einen minimalinvasiven Ansatz“, teilte das Ministerium mit. Der Einsatz werde „durchgehend veterinärmedizinisch begleitet“.
Die Verantwortung liege bei den Initiatoren. „Wir dulden dieses Vorhaben“, sagte Backhaus. Bei den Initiatoren handelt es sich laut Backhaus unter anderem um den Mediamarkt-Gründer Walter Gunz. Die Initiatoren würden in Kürze weitere Details mitteilen.
Bundespräsident Steinmeier in Stralsund erwartet
An diesem Donnerstag will sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Stralsund mit Experten über den Wal austauschen. Steinmeier führt seine Amtsgeschäfte diese Woche drei Tage lang von Stralsund aus - als 18. Station der Reihe Ortszeit Deutschland, mit der der Bundespräsident Eindrücke abseits der Metropolen sammeln will.
Der kranke und geschwächte Wal liegt seit dem 31. März vor der Ostseeinsel Poel. Bislang hatten Experten erklärt, dem Buckelwal könne nicht sinnvoll geholfen werden, und es sei das Beste, ihn in Ruhe und Würde sterben zu lassen. Das Tier war bereits mehrfach gestrandet. Ein Gutachten des Deutschen Meeresmuseums und des Instituts für terrestrische und aquatische Wildtierforschung (Itaw) kam zu dem Ergebnis, dass die Überlebensaussichten des Tieres sehr gering seien „und Eingriffe grundsätzlich mit erheblichen Risiken für das Tier verbunden sein können“.
„Die Prognose bleibt kritisch“, sagte Backhaus. Aber eine Überlebenschance könne nicht vollständig ausgeschlossen werden. Vor diesem Hintergrund hält er es für vertretbar, diesem Versuch zuzustimmen. „Das Gutachten bleibt maßgeblich und beschreibt die sehr kritische Lage des Tieres. Unsere bisherige Bewertung war vor diesem Hintergrund richtig“, so Backhaus. „Die jetzige Entscheidung ist keine Abkehr davon, sondern eine verantwortungsvolle Neubewertung auf Basis neuer fachlicher Möglichkeiten.“
In einem am Samstag veröffentlichten Interview hatte Backhaus noch gesagt, internationale Wissenschaftler hätten empfohlen, den Wal in Ruhe zu lassen. „Der ist im Todeskampf.“


