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Wahrnehmung und Denken:Erwartungen verändern die inneren Zustände

Diese Art von Studien haben Psychologen in vergangenen Jahren in beeindruckender Stückzahl publiziert:

Die gleiche Schokolade schmeckt besser, wenn man glaubt, sie stamme aus der Schweiz statt aus China.

Ein Energydrink zum vollen Preis lässt einen mehr Aufgaben lösen als ein preisreduziertes Getränk.

Ein Placebo steigert die Leistung von Sportlern, Wein schmeckt besser, wenn er angeblich teuer war, und auch Medikamente wirken stärker, wenn sie viel kosten.

Ein Medikament wird als stimulierend empfunden, wenn dies Patienten zuvor mitgeteilt wird, obwohl der Stoff tatsächlich entspannend wirkt.

Und Lehrer fördern jene Schüler besonders, von denen sie eine hohe Meinung haben, ohne dass dieses Verhalten den Lehrern bewusst oder es für andere offensichtlich war.

Erwartungen übertragen sich sogar: Das Verhalten von Richtern im Gerichtssaal kann die Meinung der Geschworenen auf Linie bringen. Die Liste ließe sich schier endlos fortführen.

Nur wie lassen sich diese Effekte erklären? Laut Kirsch verändern die Erwartungen eines Menschen unmittelbar, wie er seine inneren Zustände erlebt. Wer intensiv in sich hineinhorcht, hört also quasi das Echo seiner Vorstellungen davon, was er dort hören sollte. Introspektion dieser Art ist gleichbedeutend mit der Suche nach bestätigenden Informationen.

Falsche Urteile über die Kausalität

Wer eine vermeintlich leistungsfördernde Pille geschluckt hat, macht sich auf die Suche nach Signalen für besondere geistige Wachheit und bespiegelt sich mit erhöhter Aufmerksamkeit. Er wird Hinweise finden und ein falsches Urteil über die Kausalität fällen: Statt der mit erhöhter Konzentration betriebenen Selbstbespiegelung gilt das zuvor geschluckte Mittel als Auslöser des erlebten Zustands - nämlich der erhöhten Konzentration.

Nicht nur Erwartungen verzerren die Wahrnehmung oder das Denken eines Menschen. Wie Kahneman in seinem Buch zusammenfasst, entfalten auch völlig absurde, unwichtige oder nebensächliche Informationen Wirkungen.

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