Wahlforschung:Die Frage, die Umfragen präziser macht

Donald Trump

Dass Donald Trump US-Präsident wird, sahen Wahlforscher nicht kommen.

(Foto: dpa)
  • Wahlprognosen lagen in der jüngeren Vergangenheit oft daneben, ihr Ruf ist beschädigt.
  • Forscher haben während der Präsidentschaftswahlen in den USA und in Frankreich untersucht, wie die Vorhersagen genauer werden könnten.
  • Wie sie zeigen, reicht dazu schon eine einzelne Frage.

Von Jan Schwenkenbecher

Die AfD bekommt die drittmeisten Stimmen bei der Bundestagswahl, im Saarland gewinnt die Union haushoch, Donald Trump wird US-Präsident - all das sahen Wahlforscher mit ihren Prognosen nicht kommen. Kann man den Menschen nicht mehr trauen, wenn man sie fragt, wen sie demnächst zu wählen gedenken? Nur bedingt, so zumindest lässt sich das Ergebnis einer Untersuchung zusammenfassen, die ein Forscherteam aus Deutschland, Großbritannien und den USA jetzt präsentiert hat. Die Wissenschaftler zeigen jedoch auch, dass bereits eine zusätzliche Frage das Ergebnis von Umfragen verbessern könnte. Nämlich: "Wen wird Ihr soziales Umfeld wählen?"

Für ihre Studie, veröffentlicht im Fachblatt Nature Human Behaviour, hängten die Forscher diese Frage an verschiedene Umfragen an, die vor der US-Präsidentschaftswahl in den USA durchgeführt wurden. Mehrere tausend Menschen machten bei den Befragungen mit. Bezogen die Forscher das vermutete Wahlverhalten von Freunden und Bekannten in die Auswertung mit ein, wurden die Vorhersagen genauer. Auf diese Weise hätten sie auch richtig prognostizieren können, dass nicht Hillary Clinton, sondern Trump die Mehrheit der US-Staaten für sich sammeln würde. Auch bei den französischen Präsidentschaftswahlen testeten die Forscher ihr Vorgehen. Hier wären die Prognosen ebenfalls besser gewesen, wäre die Zusatzfrage bereits einbezogen worden.

Die Wahrscheinlichkeit einer Verzerrung wird geringer

Warum das so ist? "Menschen kann es peinlich sein zuzugeben, dass sie einen umstrittenen Kandidaten wählen möchten", sagt Mirta Galesic, die Erstautorin der Studie. "Aber es ist ihnen weniger peinlich, das über ihre Freunde zu erzählen." Zudem erhalte man pro befragter Person Auskunft über das Wahlverhalten weiterer Menschen. Schätzen etwa 100 Menschen das Wahlverhalten ihres Freundes- und Bekanntenkreis ein, hat man schnell Informationen über die vermuteten Absichten von ein paar Tausend Personen.

Außerdem erhalte man so Einblicke in das Wahlverhalten von jenen Menschen, die an Umfragen nicht teilnehmen. Eine Verzerrung, weil sich manche Wählergruppen den Fragen verweigern, wird weniger wahrscheinlich. Und es könne besser vorhergesagt werden, wie zuverlässig die Ergebnisse seien, schreiben die Forscher in ihrer Arbeit. Wähler wechseln ihre Meinung eher, wenn diese von den Ansichten ihrer Bekannten abweicht.

© SZ vom 27.02.2018
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