Vulkan vor dem Ausbruch:Aschewolken aus dem Felsendom

1922, also zwanzig Jahre nach dem ersten verheerenden Ausbruch, begann in der aufgebrochenen Flanke des Santa Maria der Santiaguito heranzuwachsen. "Dome sind sehr instabil", erläutert Chigna, "sie können plötzlich zusammenbrechen." So wie der Santiaguito im Jahr 1929, als die zweite Katastrophe passierte.

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(Foto: SZ-Grafik)

Was damals der Auslöser war, weiß niemand genau. Doch als hätte jemand den Pfropfen aus einer Sektflasche gezogen, kam es zur Explosion. Glühende Stein- und Staublawinen wälzten sich zehn Kilometer weit Richtung Pazifikküste und töteten mehrere hundert Menschen.

Gustavo Chigna nützt die klare Morgenluft, um von einer etwa zwei Kilometer entfernten Anhöhe aus die Eruptionen des Santiaguito zu beobachten und die Gase in den Ausbruchswolken zu analysieren. "Entscheidend ist der Gehalt an Schwefeldioxid im Gas", erklärt der Wissenschaftler, "wenn der steigt, ist Vorsicht geboten." Das könnte bedeuten, dass Magma aus dem Erdinnern drängt und ein größerer Ausbruch bevorsteht."

Gasmessungen allein genügen jedoch nicht für die Vorhersage eines Domkollapses. Parallel dazu beobachten Chigna und seine Kollegen vom Insivumeh immer auch die Signale, welche die sechs seismischen Stationen rund um den Vulkan ständig registrieren und in das Institut im 200 Kilometer entfernten Guatemala-Stadt funken. Nehmen auch die Erschütterungen zu, verstärkt sich der Verdacht auf einen größeren Ausbruch.

Glutlawinen und Aschewolken sind nicht die einzige Gefahr für die Menschen am Fuß des Santa Maria. In der Regenzeit bedrohen sogenannte Lahare, also Schlammströme, vor allem die Dörfer und Felder entlang der Flüsse, die vom Vulkan zum Pazifik strömen.

"Ab einer Regenmenge von 40 Millimeter in zwei Stunden sind wir in Alarmbereitschaft", sagt Chigna. Das viele Wasser kann den lockeren Schutt, den der Santiaguito ständig produziert, leicht mit sich reißen. Die graue, mit großen Felstrümmern beladene Brühe schießt mit Geschwindigkeiten bis zu 100 Kilometern pro Stunde durch die Flusstäler.

Die Toten von El Palmar

Wenn während eines starken Regengusses auch noch die Erdbebenmessgeräte ausschlagen, ist die Gefahr besonders groß. Die Wissenschaftler an Chignas Institut benachrichtigen dann Conred, die nationale Koordinationsstelle bei Naturkatastrophen, die per Radio die Bevölkerung informiert und gegebenenfalls evakuiert.

Am meisten hat das Dorf El Palmar unter den Gefahren zu leiden. Es liegt etwa zehn Kilometer vom Santiaguito entfernt, genau in dessen Falllinie am Ufer des Flusses Nima, der direkt am Fuß des heißen Hügels entspringt. Schon die Glutlawinen vom Domkollaps im Jahr 1929 nahmen ihren Weg durch das Flusstal. El Palmar hatte die meisten Toten zu beklagen.

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