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Verschwörungstheorien:"Die jüdische Weltverschwörung"

Eine der furchtbarsten und folgenreichsten Verschwörungstheorien der Geschichte ist die Behauptung, es gebe eine jüdische Geheimorganisation, die nach der Weltherrschaft strebt. Wann immer einflussreiche Politiker oder Geschäftsleute einen jüdischen oder jüdisch klingenden Namen tragen, betrachten die Anhänger dieser Verschwörungstheorie dies als Beleg dafür, dass die sogenannten Protokolle der Weisen von Zion die Realität wiedergeben.

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern hat nichts mit einem angeblichen Plan irgendwelcher Juden zu tun, die Welt zu beherrschen. Trotzdem bezieht sich die radikale Hamas in ihrer Charta noch immer auf die gefälschten "Protokolle der Weisen von Zion", die genau dies belegen sollen.

(Foto: AFP)

Das Anfang des 20. Jahrhunderts zum ersten Mal veröffentlichte Dokument enthält Protokolle angeblicher Treffen von zwölf jüdischen Führern, die darüber diskutieren, wie man Regierungen übernehmen und schließlich an die Weltherrschaft kommen könnte.

Erstmals veröffentlicht wurden die "Protokolle" in Russland in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. 1905 tauchten sie in einem Buch des russischen Antisemiten Sergei Nilus auf. Wer sie geschrieben hat, ist bis heute nicht ganz klar. Der Verdacht, es seien Mitarbeiter der zaristischen Geheimpolizei gewesen, konnte bislang nicht bewiesen werden.

Vielleicht sollte man allerdings besser auch sagen: Wer sie abgeschrieben hat, ist unklar. Wie der britische Journalist Philip Graves bereits 1920 in der Times aufdeckte, stammen große Teile der "Protokolle" aus einem französischen Buch aus dem Jahre 1864 - die allerdings im Sinne der Antisemiten verändert wurden.

Denn in der Vorlage Dialogue aux enfers entre Machiavel et Montesquieu von Maurice Joly geht es nicht um Juden, sondern um ein fiktives Gespräch zwischen Machiavelli und Montesquieu. Joly musste wegen seiner Satire, die gegen die französische Monarchie gerichtet war, ins Gefängnis.

Die Autoren der "Protokolle" bedienten sich darüber hinaus aus mindestens einem weiteren Buch - dem Roman Biarritz des deutschen Schriftstellers Herrmann Goedsche aus dem Jahre 1868.

Trotzdem beriefen sich zum Beispiel Hitler und andere Nationalsozialisten auch auf diese Fälschung, um den Völkermord an den Juden als angeblichen "Abwehrkampf" des deutschen Volkes zu rechtfertigen.

Bis heute wird von vielen Menschen ignoriert, dass es sich um eine Fälschung handelt. Die palästinensische Hamas rechtfertigt ihren Antisemitismus im Artikel 32 ihrer Charta explizit mit einem Hinweis auf die Protokolle von Zion. Auch der Holocaust-Leugner und Bischof der katholisch-traditionalistischen Pius-Bruderschaft Richard Williamson bezog sich noch im Jahre 2000 in einem seiner Briefe (Our Lady of Fatima, 1. Mai 2000) auf die "Protokolle".

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