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Volkswirtschaft:Mehr für alle

Forscher vom MIT zeigen: In Ländern, die viele verschiedene, technisch anspruchsvolle Produkte exportieren, ist der Wohlstand meist gerechter verteilt als in Staaten, die vor allem von ihren Bodenschätzen leben.

Von Marlene Weiß

Länder, die viele verschiedene, technisch anspruchsvolle Produkte exportieren, haben bessere Chancen auf eine ausgewogene Wohlstandsverteilung. Das schließen Forscher um Dominik Hartmann vom MIT in Cambridge aus Wirtschaftsdaten Dutzender Länder aus den Jahren 1996 bis 2008 (World Development). Je mehr unterschiedliche Produkte ein Land herstellte und je mehr technisches Know-how dafür nötig war, desto gleichmäßiger war demnach das Einkommen verteilt, unabhängig vom Wohlstand. So verglichen die Wissenschaftler etwa Chile und Malaysia: Beide Länder ähnelten sich in Pro-Kopf-Einkommen und Bildungsgrad. Während Chile jedoch hauptsächlich Landwirtschaftsprodukte und Bodenschätze exportiert, verkauft Malaysia ein breites Spektrum an Maschinen und Elektronik. Und tatsächlich sind die Einkommensunterschiede in Chile weit größer als in Malaysia. Die Forscher erklären das mit der zugrunde liegenden Industriestruktur: "In einem Land wie Venezuela ist es egal, wie viel Geld Chávez oder Maduro ausgibt; man wird die Ungleichheit nicht verringern, weil das ganze Geld aus einer einzigen Industrie kommt", sagte Co-Autor César Hidalgo in einer Mitteilung des MIT. In Ländern wie Deutschland oder der Schweiz hingegen trügen viele Menschen in vielen unterschiedlichen Industriezweigen zum Wohlstand bei.

© SZ vom 21.02.2017

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