bedeckt München

Verbot von Schweine-Kastration ohne Betäubung:Eine Tortur weniger

Wer sieht, wie ein Ferkel kastriert wird, sieht eine geschundene Kreatur. Denn der Eingriff findet ohne Betäubung statt. Alternativen kosten Geld, der Verbraucher aber will billige Ware. Gerade deshalb ist es richtig, dass das Bundeskabinett Kastration ohne Betäubung verbieten will.

Marlene Weiss

Der Eingriff dauert nur Sekunden. Das Ferkel wird an den Hinterläufen gepackt oder in eine Halterung gespannt. Dann setzt der Züchter an den Genitalien das Skalpell an, durchtrennt den Samenstrang und entfernt die Hoden.

Ferkelkontaktbörse

Künftig sollen Ferkel bei der Kastration betäubt werden, das schreibt ein neues Tierschutzgesetz vor.

(Foto: dpa)

Und das Ferkel, kaum doppelt so groß wie die Hand, die das Skalpell hält, es schreit und schreit und schreit. Wer das sieht, sieht eine geschundene Kreatur. Lange hieß es, sehr junge Ferkel hätten kein entwickeltes Schmerzempfinden, das Quieken sei nur ein Reflex. Aber die Tiere leiden: Während der Operation steigt der Stresshormonspiegel in ihrem Blut deutlich an und bleibt noch lange danach erhöht.

Das Fleisch vieler nichtkastrierter Eber entwickelt beim Erhitzen einen strengen Geruch, deswegen wird kastriert. Aber warum ohne Betäubung? Es gäbe nämlich Alternativen - nicht perfekt zwar, aber machbar. Man kann unter Narkose kastrieren, man kann den Ebergeruch mit einer Impfung ausschalten, man kann schlachten, bevor er auftritt. In der Schweiz und in Norwegen ist betäubungslose Kastration verboten. Leider kostet das Geld. Der Verbraucher aber will billige Ware, und angesichts des Preisdrucks, unter dem Schweinefleisch hierzulande steht, spart man sich den Aufwand.

Aber gerade deshalb ist es richtig, dass das Bundeskabinett mit dem neuen Tierschutzgesetz Kastration ohne Betäubung von 2017 an verbieten will. Vielleicht wäre eine kürzere Frist machbar gewesen; vielleicht hätte sie auch nur den Import von Tieren erhöht, die im Ausland ohne Betäubung kastriert wurden. Wichtig ist aber, dass es ein Datum gibt, von dem an es wenigstens mit dieser einen Tortur im Leben eines Nutztiers vorbei ist.

© SZ vom 24.05.2012/mcs
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema