BiologieSchrott als Liebesbeweis: Vögel schmücken ihre Lauben mit Müll

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Ein männlicher Laubenvogel, der neben seinem dekorierten Nest steht.
Ein männlicher Laubenvogel, der neben seinem dekorierten Nest steht. Caitlin Evans
  • Eine neue Studie zeigt, dass männliche Graulaubenvögel in Australien menschengemachte Gegenstände wie Scherben, Kabel oder Plastik für ihre Balzlauben bevorzugen.
  • Die Vögel wählen künstliche Materialien zehnfach häufiger als natürliche, da diese auffälliger sind und länger halten als verrottende Naturmaterialien.
  • In städtischen Gebieten sammeln die Männchen 4,74-mal mehr Objekte pro Laube als auf dem Land, darunter auch Mundschutz oder Banknoten.
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Des einen Abfall ist des anderen Schatz: Warum männliche Laubenvögel in australischen Städten die Weibchen mit Kabeln, Mundschutz und Banknoten gewinnen wollen.

Von Anna Kammerer

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Schönheit und Ästhetik spielen eine wichtige Rolle beim Dating. So freuen sich Menschen über schöne Blumen, eine aufwendig verpackte Schachtel Pralinen oder über einen funkelnden Verlobungsring. Auch das erste Treffen zu Hause bei warmem Licht, inmitten von gemütlichen Möbeln und gepflegten Zimmerpflanzen, schafft eine wohlige Atmosphäre.

Der Graulaubenvogel in Australien scheint beim Dating ebenfalls viel Wert auf die einladende Gestaltung seiner Umgebung zu legen. Das zeigt eine aktuelle Studie, erschienen im Fachblatt Royal Society Open Science. Ein Autorenteam um die Biologin Caitlin Evans untersuchte, welche Objekte Graulaubenvögel für ihre Balzlauben bevorzugen. Das Autorenteam hat dafür ländliche und urbane Lauben der Tiere verglichen.

Während der Brutsaison dokumentierten sie über vier Monate insgesamt 61 Lauben im nördlichen Queensland, Australien – jeweils an einem ländlichen und an einem städtischen Standort. Zudem boten die Forschenden im Rahmen eines Auswahlexperiments den männlichen Vögeln verschiedene Objekte an und beobachteten, welche Stücke die Tiere für ihre Laube bevorzugten.

Minimalismus scheint den männlichen Graulaubenvögeln kein Begriff zu sein

Schon länger ist bekannt, dass bestimmte Vogelarten gerne farbenfrohe Dekorationen während der Balzzeit in ihren Lauben präsentieren, um als geeignete Fortpflanzungspartner auf sich aufmerksam zu machen. Hier scheint der Einfluss des Menschen auf die Natur eine zunehmende Rolle zu spielen.

Die Studie zeigt, dass Gegenstände wie Scherben, Kabel oder Plastik bei Graulaubenvogel-Männchen besonders beliebt waren. Zudem bevorzugten sie im Auswahlexperiment mit einer zehnfach höheren Wahrscheinlichkeit einen städtischen Schatz. Die Studienautorinnen vermuten, dass die Vögel künstliche Materialien nutzen, um ihre Balz attraktiver zu gestalten. „Diese Gegenstände sind sehr auffällig und fallen dem Weibchen während der Balz besonders ins Auge“, sagt Evans. Zudem seien sie häufig aus Plastik oder Glas und würden entsprechend nicht verblassen oder verrotten.

Minimalismus scheint den männlichen Graulaubenvögeln beim Gestalten der städtischen Lauben zudem kein Begriff zu sein. 4,74-mal mehr Objekte pro Balzstätte fanden die Forschenden im städtischen Raum im Vergleich zum ländlichen. Ein städtischer Vogel sammelte sogar mehr als 300 Objekte an seiner Laube. Skurrile Gegenstände ließen sich ebenfalls entdecken: „Wir fanden auch Gegenstände wie einen Mundschutz oder einzelne Banknoten“, sagt Evans.

Was bedeutet das für den Menschen? Der menschliche Alltag hinterlässt Spuren im Tierreich – offenbar auch dort, wo man sie zunächst nicht vermuten würde. Es sind nicht nur Plastiktüten, die von Schildkröten verschluckt werden, oder Fischernetze, in denen sich Wale verheddern, sondern eben auch Plastikdeckel, die über den Fortpflanzungserfolg von Vögeln entscheiden.

Doch nur kurios sind die Funde der Forscherinnen nicht. Sie schreiben in ihrer Studie, dass die Verwendung von menschengemachten Materialien als Dekoration für Laubenvögel auch erhebliche Risiken bergen könne: Die Tiere können sich verschlucken, verheddern oder vergiften.

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