bedeckt München

Virtual-Reality-Experiment:Forscher schrumpfen weibliches Selbstbewusstsein

Liebling, ich habe dein Selbstvertrauen geschrumpft: Forscher haben Frauen vorgegaukelt, sie seien einen Kopf kleiner. Von dem Trick selbst merkten die Frauen nichts - doch ihre Psyche litt sofort.

Wenn man sich beobachtet und verfolgt fühlt, sollte man auf Zehenspitzen gehen. So lässt sich ein Experiment der Universität Oxford interpretieren, das den Einfluss der Körpergröße auf das Selbstbewusstsein von Frauen untersucht hat. Wer sich klein fühlt, reagiert demnach paranoider auf seine Umwelt, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt Psychiatry Research (online).

Für das Experiment ließen die Psychologen 60 Frauen U-Bahn fahren - mit einer Virtual Reality Brille. Bei einer der zwei simulierten Fahrten war alles ganz normal. Beim zweiten Durchgang aber senkten die Forscher den Blickwinkel um rund 25 Zentimeter ab, sie machten die Frauen also einen Kopf kleiner. Sie erzählten den Teilnehmerinnen aber nichts davon. Obwohl die Probanden die Schrumpfung meist nicht bemerkten, gaben sie nach dem Test häufiger an, sie wären sich verletzlicher vorgekommen. "Ich fühlte mich eingeschüchtert", gab eine Frau zu Protokoll, die virtuellen Passanten hätten sie "mehr angestarrt".

Höhere Paranoia-Werte

"Größe hängt mit dem Gefühl von Dominanz zusammen", sowie mit sozialem Status und Autorität, schreiben die Autoren der Studie. Jemanden zu schrumpfen führe daher zu einem negativeren Selbstbild und daher zu mehr Symptomen von Paranoia. Im Schnitt lag der entsprechende "Paranoia-Testwert" um zwei Punkte höher, wenn die Frauen sich kleiner fühlten.

Eine Erklärung, was das Ergebnis für die Praxis bedeutet, bleiben die Psychologen allerdings schuldig. Schließlich sind die meisten Menschen an ihre Körpergröße gewöhnt; spontan geschrumpft wie im Virtual-Reality-Labor werden sie im Alltag kaum. Solche Manipulationen ließen sich aber womöglich klinisch nutzen, so die Autoren, um "das Selbstbewusstsein einer Person zu erhöhen, und Angstgefühle zu unterbinden".

Virtual Reality Experiment

Virtual Reality Experiment Virtual Reality Experiment an der Universität Oxford - simulierte U-Bahn-Fahrt

(Foto: Department of Psychology, Oxford)
© Süddeutsche.de/chrb/mcs
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema