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Vietnam:Wie eine Chemikalie ein Land über Jahrzehnte vergiftet

We the Children/Vietnam

Nguyen Thi Ly, neun Jahre alt, war noch längst nicht auf der Welt, als der Vietnamkrieg zu Ende ging. Und doch ist sie vermutlich sein Opfer.

(Foto: Ed Kashi / VII)

Vor über vierzig Jahren endete der Vietnamkrieg, doch noch immer leiden Hunderttausende an den Folgen von "Agent Orange". Möglicherweise sind die Missbildungen erblich.

Diese Geschichte beginnt mit einem Krieg, der längst beendet ist. 1975 siegte Nordvietnam über Südvietnam. Die ganze Macht der Amerikaner reichte nicht aus, um Washingtons Verbündete in Saigon zum Sieg gegen die Kommunisten zu führen. Es war das blutigste Kapitel in der Ära des Kalten Krieges. 58 000 US-Soldaten kamen in diesem Krieg ums Leben, und vermutlich mehr als drei Millionen Vietnamesen.

Nun ist US-Präsident Barack Obama zu Besuch in Vietnam. Beide Seiten sind im Laufe der Jahre von ihrer alten Feindschaft abgerückt. Bei seiner Ankunft in Hanoi gab Obama bekannt, das seit Jahrzehnten geltende Waffenembargo gegen Vietnam aufzuheben, um "Überreste des Kalten Kriegs" zu beseitigen. Schon ist von einer Normalisierung der Beziehungen die Rede, sogar von Aussöhnung. Nur ein giftiges Erbe verdunkelt das Bild der neuen Freundschaft: Agent Orange.

Bis zu fünf Millionen Menschen waren dem Mittel ausgesetzt

US-Flugzeuge versprühten die chemische Mischung über dem Dschungel Vietnams. Sie wollten das Blätterdach zerstören, unter dem sich die Kämpfer bewegten. Das Mittel enthielt Dioxine.

Nach Untersuchungen eines US-Toxikologen waren den Sprühattacken zwischen 2,1 und 4,8 Millionen Menschen ausgesetzt. Der 15-jährige Nam Dat könnte ein spätes Opfer dieser chemischen Keule sein - er kann nicht aufstehen, nicht laufen, nicht sitzen, nicht sprechen. In seiner Familie häufen sich die Erkrankungen: Nam Dats Großvater kämpfte im Vietnamkrieg auf der Seite des Nordens und war dem Giftregen ausgesetzt. Wie Hunderttausende bekam er Krebs, sein Sohn - Nam Dats Vater - kam mit Missbildungen zur Welt. "Wir glauben, dass die Krankheiten in unserer Familie mit dem Gift zusammenhängen", sagt der Bauer.

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Es würde bedeuten, dass Eltern Defekte durch Agent Orange über mehrere Generationen an ihre Kinder weitergeben. Überall im Land gibt es Verbände für die Kranken, in Kliniken finden sich spezielle Agent-Orange-Abteilungen für Behinderte - und zahlreiche Gebiete sind noch immer hochgradig mit Dioxinen belastet.

Viel tun die Vereinigten Staaten bislang nicht, um das Leiden in Vietnam zu lindern. Seit 2007 haben die USA etwa 130 Millionen Dollar Hilfe bewilligt, vor allem, um stark vergiftete Gebiete von Dioxinen zu befreien. Außerdem gibt Washington kleinere Hilfen für Behinderte. Es ist eine symbolische Geste, keine Anerkennung von Schuld. Die USA kompensieren zwar eigene Veteranen für Schäden, die sie im Umgang mit dem Gift erlitten. Aber nicht die Vietnamesen.

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