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Verhaltensforschung:Schizophrenie als Infektionskrankheit?

Zwar ist der Endwirt von Toxoplasma die Katze, und als Zwischenwirte dienen deren Beutetiere, also vor allem Mäuse und Ratten. Doch jedes warmblütige Tier kann sich leicht mit den Erregern anstecken, die die Katzen über den Darm ausscheiden. Auch Menschen sind betroffen: In den USA soll etwa ein Viertel der Bevölkerung infiziert sein, in Großbritannien gehen Schätzungen von zehn bis 20 Prozent aus. "In Deutschland wird die durchschnittliche Durchseuchung der Bevölkerung bei circa 50 Prozent geschätzt", schreibt das Robert-Koch-Institut. Und "sie nimmt mit steigendem Lebensalter zu und erreicht bei den über 50-Jährigen nahezu 70 Prozent." Allerdings bemerken die allermeisten Menschen die Infektion nicht, da sie ohne erkennbare Symptome verläuft.

Einiges deutet allerdings darauf hin, dass es durchaus Symptome gibt - nur dass der Zusammenhang mit Toxoplasmose noch nicht bewiesen werden konnte. "Fehlfunktionen im Dopaminstoffwechsel können schwerwiegende Auswirkungen auf das menschliche Verhalten haben", erklären McConkey und seine Kollegen. Schließlich stünden etliche neurologische Störungen wie Schizophrenie, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung oder Tourette-Syndrom im Zusammenhang mit der Verfügbarkeit von Dopamin.

Tatsächlich vermuten einige Experten bereits seit längerer Zeit, dass manche Schizophreniepatienten aufgrund einer Toxoplasma-Infektion an dieser Krankheit leiden. Gerade unter diesen Patienten findet man besonders viele, die Antikörper gegen die Parasiten tragen.

Dass nicht jeder Infizierte eine psychische Störung oder Krankheit entwickelt, könnte daran liegen, dass "Menschen nur versehentlich zum Wirt von T. gondii werden und der Parasit überall im Gehirn enden kann", sagt McConkey. Auch in Regionen, die nicht auf den Versuch der Erreger reagieren, die Dopaminproduktion anzukurbeln.

Bewiesen ist letztlich noch nichts. Doch die Briten empfehlen nun, zu prüfen, ob weitere Krankheitserreger ebenfalls den Neurotransmitterspiegel im Gehirn verändern können. Außerdem sei es wichtig, "festzustellen, ob T. gondii-Infektionen auch eine Rolle spielen bei anderen Krankheiten, die im Zusammenhang mit Dopamin stehen".