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Verhaltensforschung:Rechtsflosser und Linkspföter

Der Blauwal rotiert für gewöhnlich rechtsherum um seine Längsachse.

(Foto: AFP)

Die meisten Tiere bevorzugen die rechte Körperhälfte. Das gilt auch für Blauwale, die sich am liebsten rechtsherum durchs Wasser schrauben.

Nicht nur beim Menschen, auch unter Blauwalen sind Linkshänder - in letzterem Fall eher Linksflosser - in der Minderheit. Man erkennt das an den Manövern, welche die bis zu 33 Meter langen und 200 Tonnen schweren Tiere schwimmen, wenn sie auf der Jagd nach Plankton sind, das sie mit ihren Barten aus dem Meerwasser filtern. Am liebsten fressen Blauwale die im Plankton enthaltenen winzigen Krebse: In den Sommermonaten vertilgt ein einziges Tier täglich etwa 40 Millionen davon. Sobald ein Blauwal einen Schwarm entdeckt, schwimmt er mit aufgerissenem Maul mitten hinein. Dabei rotiert er um seine Längsachse - wahrscheinlich, um möglichst viele der Minikrebse auf einmal ins Maul zu bekommen: Durch das akrobatische Manöver könnten die Blauwale ihren gewaltigen Unterkiefer so positionieren, dass sie den dichtesten Teil des Schwarms bei der Flucht erwischen, vermuten Forscher.

Meeresbiologen berichten jetzt in der Fachzeitschrift Current Biology, dass sich die meisten der riesigen Tiere bei diesen Manövern rechtsherum drehen, ähnlich wie die meisten Menschen die rechte Hand bevorzugen. Die Forscher hatten 63 Blauwale vor der Küste Kaliforniens mit Bewegungssensoren ausgestattet und auf diese Weise etwa 2800 Unterwasserrollen dokumentiert, bei denen sich die Tiere meistens ein Stück nach rechts drehten, um dann wieder in ihre Ausgangsposition zurückzurollen.

Nach der Auswertung der Daten fiel ihnen auf, dass sich die Tiere lediglich in einer spezifischen Situation anders verhielten: Wenn die Wale einen Schwarm von unten angriffen und sich dabei einmal komplett um ihre Längsachse schraubten, änderten selbst die beharrlichsten Rechtsroller die Richtung und drehten sich auf einmal linksherum. "Wir vermuten, dass sie sich so verhalten, um ihre Beute während der Rolle mit dem rechten Auge länger im Blick zu behalten", sagt Ari Friedlaender von der University of California in Santa Cruz, der die Studie geleitet hat. "Wenn sich die Wale bei diesem Manöver rechtsherum drehen würden, verlören sie ihre Beute schnell aus dem Blick, was den Jagderfolg verringern würde."

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Schimpansen knacken Nüsse mit rechts. Aber wenn sie nach Termiten pulen, dann mit links

Grundsätzlich ist Rechtshändigkeit sowohl bei Tieren als auch bei Menschen viel häufiger als Linkshändigkeit. Viele Vögel suchen zum Beispiel bevorzugt mit dem rechten Auge nach Würmern. Beim neuseeländischen Schiefschnabel wächst deshalb sogar der Schnabel nach rechts. Honigbienen können sich Düfte besser mit ihrer rechten Antenne merken. Asiatische Elefanten schlenkern ihren Rüssel beim Fressen und Sandverspritzen lieber nach rechts als nach links. Und Paviane benutzen fast immer die rechte Pfote, um anderen Affen zu drohen. Bei Schimpansen hängt es dagegen von der Tätigkeit ab, welche Hand sie benutzen. Wenn sie Nüsse knacken, tun sie das fast immer mit rechts, Termiten pulen sie jedoch mit links aus ihrem Hügel.

Dass beide Seiten gleich stark benutzt werden, kommt sowohl bei Menschen als auch bei anderen Wirbeltieren so gut wie nie vor. Der Grund dafür ist vermutlich die sogenannte Lateralität des Gehirns, das aus einer rechten und einer linken Hemisphäre besteht. Grundsätzlich sei Linkshändigkeit selten, schreiben die Autoren der Walstudie. Allerdings sind die linksdrehenden Wale nicht die einzige Ausnahme. Schafe zum Beispiel erkennen sich gegenseitig besser mit dem linken Auge. Und vor einiger Zeit entdeckten Zoologen, dass Rote und Graue Riesenkängurus "Lefties" sind: Linkshänder. Sie hatten beobachtet, dass die Beuteltiere fast immer die linke Pfote benutzen, um sich zum Beispiel über die Schnauze zu streichen oder ein Blatt vom Boden aufzuheben.

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