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Verhaltensbiologie:Schimpansen lösen Probleme zum Vergnügen

Schimpansen im ZSL Whipsnade Zoo

"Wir beobachteten, dass die Schimpansen die Rätsel lösen wollten, egal, ob sie eine Belohnung zu erwarten hatten oder nicht", sagt Fay Clark von der Zoological Society of London.

(Foto: Zoological Society of London)

Auch Schimpansen ist das Gefühl, eine Aufgabe gelöst zu haben, manchmal Lohn genug - da muss den Tieren gar keine Belohnung in Aussicht gestellt werden. Das zeigen Experimente britischer Forscher.

Von Christian Weber

Schimpanse sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen zu tun. So lautet, kurz gefasst, das Ergebnis einer Studie, die Forscher um Fay Clark von der Zoological Society of London (ZSL) im Fachmagazin American Journal of Primatology vorgestellt haben.

In den Experimenten der Forscher mussten sechs Schimpansen im ZSL Whipsnade Zoo - zwei Weibchen und vier Männchen - eine typische Aufgabe lösen, mit der die kognitiven und manuellen Fähigkeiten von nicht menschlichen Primaten getestet werden. Sie sollten mithilfe eines langstieligen Klempnerwerkzeuges einen Gegenstand durch ein System von Röhren bugsieren, bis dieser am Ende der Apparatur herausfällt.

Dabei wurde die Aufgabe in zwei Varianten gestellt: Im ersten Fall sollten die Schimpansen eine Paranuss durch das System schleusen, die sie am Ende des Experiments zur Belohnung auch verspeisen durften.

Schimpanse im ZSL Whipsnade-Zoo

Schimpanse Phil während des Experiments. Die Forscher vermuten, dass die Tiere die Lösung des Rätsels selbst als befriedigend empfanden.

(Foto: Zoological Society of London)

Im zweiten Fall befand sich lediglich ein roter Würfel in den Röhren, der am Ende in einen nicht zugänglichen Auffangbehälter fiel. Gemäß einer rationalen Nutzen-Kosten-Analyse wäre zu erwarten gewesen, dass sich die Tiere mit mehr Hingabe der Nuss-Aufgabe widmen - doch das war nicht der Fall:

"Wir beobachteten, dass die Schimpansen eifrig darauf aus waren, das Spiel zu Ende zu bringen, egal ob sie eine Futter-Belohnung bekamen oder nicht", berichtet Primatologin Clark. "Das lässt stark vermuten, dass sie ähnliche Zufriedenheitserlebnisse haben wie Menschen, die sich freuen, wenn sie eine Denkaufgabe gelöst haben."

© SZ vom 25.02.2013/mcs
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