Verhaltensbiologie Tiere verlagern immer mehr Aktivitäten in die Nacht

Schon scheinbar harmlose menschliche Tätigkeiten wie Wandern oder Zelten haben zur Folge, dass Tiere sich extrem gestört fühlen. Selbst eigentlich tagaktive Säuger fangen dann an, nachts zu jagen.

Löwen, Tiger, Bären und etliche andere Tiere werden zunehmend nachtaktiv - und der Grund dafür ist der Mensch. Das geht aus einer neuen Studie im Fachmagazin Science hervor. Menschliche Aktivitäten wie Wandern oder Zelten können Tiere derart in Unruhe versetzen, dass sie ihr Treiben lieber in die Nacht verlagern, schreibt die Studienleiterin Kaitlyn Gaynor von der Universität von Kalifornien.

"Es ist anzunehmen, dass Tiere bei Menschen womöglich auf Nummer sicher gehen", ergänzt die Ökologin. "Wir mögen denken, dass wir keine Spuren hinterlassen, wenn wir im Wald wandern, doch unsere schiere Gegenwart kann anhaltende Konsequenzen haben." Gaynor und ihre Kollegen werteten 76 Studien mit 62 Spezies auf sechs Kontinenten aus - darunter Löwen in Tansania, Otter in Brasilien, Kojoten in Kalifornien, Wildschweine in Polen und Tiger in Nepal. Dabei verglichen die Forscher, wie lange die Tiere unter bestimmten Bedingungen menschlicher Störung - etwa Jagen, Wandern und Feldarbeit - nachts aktiv sind. Das Team ermittelte letztlich, dass die Präsenz des Menschen einen Anstieg der Nachtaktivität um 20 Prozent verursachte - selbst bei Tieren, die bisher als ausschließlich tagaktiv bekannt waren.

Die Erkenntnisse seien neu, weil bisher "niemand sonst all die Informationen zusammengetragen hat", sagt Ana Benítez-López von der Radboud-Universität Nijmegen in den Niederlanden. Ihre Kollegin Marlee Tucker von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main zeigt sich überrascht, dass offenbar jegliche menschliche Aktivität für wild lebende Säugetiere ein Grund ist, im Menschen eine Bedrohung zu sehen. "Es ist ein bisschen unheimlich", sagt die an der Studie unbeteiligte Wissenschaftlerin.

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