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Verhaltensbiologie:Haltet zusammen!

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Zwergmangusten teilen sich die Arbeit, zum Beispiel beim abwechselnden Wachestehen.

(Foto: imago/Loop Images)

Nicht nur Menschen, auch Zwergmangusten tut es gut, bei Gefahr zusammenzurücken. Droht ein Angriff, fangen die Tiere an, sich zu kraulen.

Von Katrin Blawat

Wenn die Welt um einen herum garstig ist, tut es gut, innerhalb der eigenen Sippe enger zusammenzurücken - im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. So lässt sich das Verhalten von Zwergmangusten interpretieren, das ein Team um Andrew Bradford von der University of Bristol für eine Studie im Fachmagazin Behavioral Ecology untersucht hat. Die Biologen simulierten bevorstehende Attacken auf mehrere Gruppen wild lebender Zwergmangusten, indem sie den Tieren über Lautsprecher die Rufe angriffslustiger Artgenossen vorspielten. Zusätzlich verteilten die Forscher Duftmarkierungen vermeintlicher Angreifer. So bekamen die beobachteten Tiere den Eindruck, ihre Gruppe sei durch Eindringlinge bedroht. Daraufhin verbrachten die Zwergmangusten in der folgenden Stunde deutlich mehr Zeit damit, einander zu kraulen. Dies dient nicht nur der Fellpflege, sondern ist auch ein Zeichen der Zuneigung. Zudem engagierten sich mehr Gruppenmitglieder in den Wachdiensten, bei denen die Tiere abwechselnd nach aufziehenden Gefahren Ausschau halten.

Zwergmangusten sind als Fleischfresser in Südafrika heimisch und leben in Verbänden von bis zu 30 Individuen. Ihr Alltag ist stark von gemeinschaftlich organisierten Aufgaben geprägt, das gilt fürs Wachestehen ebenso wie für die gemeinsame Aufzucht von Jungtieren. Ihre Reaktion auf die vermeintlichen Eindringlinge zeigt: Wie sich Tiere innerhalb einer Gemeinschaft zueinander verhalten, hängt nicht nur von den Gegebenheiten innerhalb der Gruppe ab wie der Rangordnung oder internen Streitereien. Vielmehr ist der Umgang der einzelnen Tiere in einer Sippe mitunter stark beeinflusst von Vorgängen außerhalb der Gruppe. Das gilt nicht nur für Zwergmangusten, sondern auch für viele andere sozial lebende Tiere, von Fischen über Vögel bis hin zu Primaten, den Menschen eingeschlossen. So kann zum Beispiel eine ausgeprägte Hilfsbereitschaft innerhalb einer Gemeinschaft ein Anzeichen dafür sein, dass sich die Gruppe stark von außen bedroht fühlt. Kaum etwas schweißt so gut zusammen wie ein gemeinsames Feindbild.

Gründe für das vermehrte Bedürfnis nach Nähe angesichts einer Gefahr von außen lassen sich mehrere vermuten. So könnten die vermeintlichen Angreifer die Zwergmangusten ängstlicher gemacht haben. Sich gegenseitig zu kraulen, lindert diese Empfindung. Zugleich stärkt gegenseitige Fellpflege das Zusammengehörigkeitsgefühl, was wiederum die Siegchancen der Gruppe in einem bevorstehenden Kampf erhöhen dürfte. Möglicherweise sollen so auch Sippenmitglieder sozusagen auf die gemeinsamen Ziele und damit auf Kampfeswillen eingeschworen werden, die sich bisher eher unbeteiligt gegeben haben. Und schließlich könnte die demonstrativ zur Schau gestellte Verbundenheit der Sippenmitglieder auch die Angreifer einschüchtern und das Risiko einer zweiten Attacke vermindern.

© SZ vom 27.06.2019

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