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Verhaltensbiologie:Haie haben Charakter

Ein fleckiger Katzenhai (Scyliorhinus meadi)

(Foto: Image courtesy of Deb Gochfeld)

Verfügen Haie über Züge einer Persönlichkeit? Sieht so aus: Die Beobachtung von heranwachsenden Katzenhaien legt nahe, dass sich die Tiere in etwa so verhalten wie Teenager auf dem Schulhof.

Von Sebastian Herrmann

Bei Haien verhält es sich wie bei Teenagern auf dem Schulhof. Auf der einen Seite gibt es die Beliebten, die stets von einer Traube Bewunderer umringt sind; und auf der anderen Seite stehen die Einzelgänger, die sich während der Pausen in die ruhigen Ecken des Schulhofes verdrücken, um dort möglichst in Ruhe gelassen zu werden.

So in etwa benehmen sich auch heranwachsende Katzenhaie, berichten Verhaltensbiologen um Darren Croft von der britischen Universität Exeter in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Behavioural Ecology and Sociobiology. Je nach Persönlichkeitstyp suchen die Raubfische die Nähe zu Artgenossen oder vereinzeln sich lieber.

Heranwachsende Katzenhaie schützen sich mit diesen beiden Strategien vor größeren Raubfischen. Die geselligen Individuen bilden mit anderen quasi einen unüberschaubaren Katzenhaihaufen am Meeresboden; die Einzelgänger passen ihre Hautfärbung stattdessen an den Boden an und verstecken sich auf eigene Faust.

Die Tiere, so die Forscher, passen ihre Strategie aber nicht den jeweiligen Gegebenheiten an. Vielmehr bedinge ihre Persönlichkeit das Vorgehen. Gesellige Individuen befanden sich stets inmitten des Haigedrängels, Individualisten suchten stets das Abseits, wenn die Wissenschaftler die Haigemeinschaften aufs Neue in ihren Aquarien zusammenwürfelten.

© SZ vom 04.10.2014
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