Verbrecherjagd Leuchtende Fingerabdrücke

War der Mörder Raucher und Kaffeetrinker? Britische Forensiker haben eine neue Methode entwickelt, mit der sie anhand von Fingerabdrücken Informationen über den Lebensstil eines unbekannten Verdächtigen gewinnen wollen.

Von Markus C. Schulte von Drach

Was tun Kriminalbeamte, wenn ein Mörder am Tatort nicht mehr als Fingerabdrücke hinterlassen hat, die in keiner Straftäterdatei zu finden sind?

Fingerabdrücke helfen vor allem dann weiter, wenn man bereits einen Verdächtigen hat.

(Foto: Foto: dpa)

Britische Forensiker haben eine neue Analysemethode entwickelt, mit der sich anhand dieser Spuren in Zukunft möglicherweise feststellen lässt, ob ein Täter geraucht, viel Kaffee getrunken, Medikamente, illegale Drogen oder sogar bestimmte Nahrungsmittel konsumiert hat. Selbst einige Krankheiten wollen die Forscher diagnostizieren.

Und mit diesen Informationen könnte man dann den Kreis möglicher Verdächtiger einengen.

Der Trick ist, Abbauprodukte bestimmter Substanzen in dem Schweiß aufzuspüren, den ein mutmaßlicher Täter mit seinem Fingerabdruck hinterlassen hat.

Am Beispiel von Fingerabdrücken von Rauchern und Nichtrauchern konnten die Wissenschaftler der University of East Anglia in Norwich und vom King's College in London jetzt zeigen, dass ihre Methode tatsächlich funktioniert. Sie untersuchten Fingerabdrücke auf Cotinin, einem Abbauprodukt von Nikotin.

Dazu brachten sie an Goldnanopartikel gebundene cotininspezifische Antikörper auf die Fingerabdrücke auf. In einem zweiten Schritt wurden diese Antikörper mit Hilfe weiterer, mit einem fluoreszierenden Farbstoff markierten Antikörper sichtbar gemacht. Dabei dienten die Nanokügelchen als Verstärker: An jedem dieser Kügelchen bleiben gleich mehrere markierte Antikörper hängen.

Abdrücke von Rauchern zeigten nach der Behandlung in UV-Licht ein leuchtendes Rillenmuster - und waren somit eindeutig zu identifizieren (Angewandte Chemie, Bd.46, S.4100, 2007). Und die Methode funktionierte sogar, obwohl sich die Studienteilnehmer noch kurz vor der Abnahme der Fingerabdrücke die Hände gewaschen hatten.

David Russell und sein Team hoffen nun, auf gleiche Weise auch die Abbauprodukte etlicher anderer Substanzen nachweisen zu können.

Anwenden ließe sich die Methode ihrer Einschätzung zufolge zum Beispiel auch zur Dopingkontrolle, zum Drogenscreening bei Autofahrern oder sogar zu medizinischen Reihenuntersuchungen. Im Gegensatz zu Blutproben ist die Gefahr von Verwechslungen oder Manipulationen gering. Schließlich lässt sich jede Probe über den Fingerabdruck eindeutig nachweisen.