Verbot von FCKW Balsam für die Schutzschicht der Erde

FCKW-Kühlmittel sind seit 27 Jahren verboten. Doch die heilsame Wirkung für die Ozonschicht entfaltet sich erst jetzt. Auch das Klima profitiert - so lange andere Mittel die Erfolge nicht bremsen.

Von Christopher Schrader

Der Zustand der Ozonschicht bietet Grund zu vorsichtigem Optimismus. Sie sei "auf dem Weg der Erholung", fasst eine internationale Wissenschaftlerkommission die Messwerte zusammen. In der Mitte des Jahrhunderts könnte die Schicht wieder die Dicke erreichen, die sie zuletzt in den 1980er-Jahren hatte.

Das Ozonloch über der Antarktis, das dort regelmäßig im Südfrühling zwischen September und November entsteht, werde es aber noch lange geben, so die 282 Forscher aus 36 Ländern. Sie haben einen Bericht für das im November beginnende Folgetreffen der Mitglieder des Montreal-Protokolls vorbereitet. Das Abkommen hatte 1987 Produktion und Ausstoß von ozonschädlichen Substanzen verboten, die als Kühl- und Treibmittel dienten. Eine 110-seitige Vorabfassung des Berichts ist von den UN-Organisationen für Meteorologie (WMO) und Umwelt (Unep) am Mittwochabend in Nairobi veröffentlicht worden. Es ist die erste umfassende Analyse seit vier Jahren.

Erfolg des Montreal-Protokolls

Die Ozonwerte in der Atmosphäre haben sich im Moment stabilisiert und zeigen leichte Tendenzen, wieder anzusteigen. Weil sie auch vom Wetter abhängen, und es zum Beispiel 2011 einen sehr kalten Südwinter gab, der die Ozonschicht ganz ohne chemische Hilfe schädigt, lassen sich die Zickzackkurven der Messungen nur schwer interpretieren. Der Ausstoß ozonschädlicher Stoffe sei wegen des Abkommens jedenfalls um 90 Prozent gesunken, stellen die Forscher fest. Die Moleküle überleben in der Atmosphäre sehr lange, darum hat die Menge der schädlichen Substanzen nur um zehn Prozent abgenommen. Ohne das Montreal-Protokoll hätten sich die Mengen bis 2050 jedoch vermutlich verzehnfacht.

Chloratome aus den verbotenen chemischen Verbindungen, vor allem den sogenannten Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffen (FCKW), springen in großer Höhe von Ozonmolekül zu Ozonmolekül und zerstören sie. Diese Mechanismen waren 1974 von den Forschern Mario Molina und Sherwood Rowland in einem berühmten Aufsatz in Nature aufgedeckt worden; beide erhielten 1995 dafür zusammen mit Paul Crutzen den Nobelpreis. Ozon ist eine Verbindung aus drei Sauerstoffatomen und hält schädliche Ultraviolettstrahlen von der Sonne zurück. Die UN-Organisationen, die den jüngsten Report vorgelegt haben, rechnen daher vor, dass das Montreal-Protokoll bis 2030 jedes Jahr zwei Millionen Fälle von Hautkrebs verhindern wird.

Positive Effekte fürs Klima

Die Reduktion von FCKW habe auch den Klimawandel gebremst, so der Bericht, weil die Substanzen zusätzlich zur ozonschädigenden Wirkung als Treibhausgase wirken. Das Montreal-Protokoll sei daher fünfmal so effektiv für den Klimaschutz gewesen wie das Kyoto-Protokoll, das als erstes globales Abkommen den Ausstoß von Kohlendioxid in Industrieländern begrenzen sollte. Die Zustände in der Atmosphäre zeigen jedoch weitere komplizierte Wechselwirkungen. So trägt CO₂ indirekt dazu bei, dass sich die Ozonschicht in großer Höhe erholen kann. Der Effekt könnte aber auf Dauer von anderen Treibhausgasen konterkariert werden, die den Schutzmantel ebenfalls angreifen und genau wie Kohlendioxid ansteigen.

Außerdem werden inzwischen andere Kühlmittel eingesetzt, die zwar mangels Chlor wenig Wirkung auf die Ozonschicht haben, aber das Klima anheizen. Im Jahr 2050 könnte ihr Effekt für die globale Erwärmung so groß sein wie die Wirkung der FCKW in den 1980er-Jahren war, falls der Einsatz nicht eingeschränkt wird. In den Klimaverhandlungen sind diese F-Gase bereits zum Thema geworden. Der Bericht der Wissenschaftler ist darum offenbar bewusst vor dem Sondergipfel zum Klima veröffentlicht worden, den UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in der übernächsten Woche in New York eröffnet. "Der Erfolg des Montreal-Protokolls sollte zu weiteren Abkommen anregen, die nicht nur dem Schutz und der Erholung der Ozonschicht, sondern auch dem Klima dienen", sagte Unep-Exekutivdirektor Achim Steiner.

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