Ohne einen solchen Spezialschutz müsse mit schweren Augenschäden bis hin zur völligen Blindheit gerechnet werden. In zahlreichen Sternwarten, Planetarien und Instituten finden öffentliche Beobachtungen mit professionellen Geräten statt.

Kein heute lebender Mensch hat dieses Himmelsereignis je gesehen. Und der nächste "Venus-Transit" wird erst im Jahre 2125 von Europa aus beobachtbar sein. Bis vor etwa drei Wochen strahlte die Venus als Abendstern hell über dem westlichen Horizont.
Inzwischen ist sie der Sonne näher gekommen und wird am kommenden Dienstag als winzige schwarze Scheibe vor ihr entlang ziehen. Im 18.Jahrhundert löste ein ähnlicher Venus-Transit abenteuerliche astronomische Expeditionen aus, weil dieser ermöglichte, die Distanz zwischen Erde und Sonne zu ermitteln. In der kommenden Woche werden vor allem Amateurastronomen weltweit den Blick auf die Sonne richten. Profis können dem Phänomen nicht mehr viel abgewinnen.
Ein Venus-Transit hat Ähnlichkeit mit einer Sonnenfinsternis, ist aber viel seltener. Die Venus benötigt für einen Umlauf um die Sonne 225 Tage, während die in größerer Entfernung kreisende Erde 365 Tage braucht. Dadurch überholt die Venus die Erde alle 584 Tage. Würden beide Planetenbahnen in einer Ebene liegen, könnte man nach jedem solchen Intervall die Venus vor der Sonne vorbeiziehen sehen. Da sie aber geneigt sind, läuft der innere Planet meist oberhalb oder unterhalb des Zentralgestirns vorbei.
Nur alle 122 Jahre liegen alle drei Himmelskörper auf einer Linie und die Venus zieht von der Erde aus sichtbar an der Sonne vorbei. Weil fünf Überrundungen der Venus zufällig acht Erdumkreisungen der Sonne entsprechen, ereignen sich Venus-Transits jeweils paarweise im Abstand von acht Jahren. Das Zwillingsereignis im Jahr 2012 wird allerdings in Europa nicht sichtbar sein.
Am kommenden Dienstag wird um 7.20 Uhr die schwarz erscheinende Scheibe außen den Sonnenrand berühren und um 7.39 Uhr ganz eingetreten sein. Dann wandert sie vor dem Sonnenball entlang, berührt um 13.04 Uhr den anderen Rand, um 13.23 Uhr ist das Spektakel vorbei.
Blick auf fremde Welten
Als sich im Jahr 1816 der britische Astronom Edmond Halley mit diesem Phänomen beschäftigte, stieß er auf eine Methode, wie sich aus Beobachtungen eines Venus-Transits von verschiedenen Orten auf der Erde die Distanz zwischen Erde und Sonne ermitteln ließe. Diese Größe, auch Astronomische Einheit genannt, spielt in der Planetenforschung eine fundamentale Rolle: Mit ihrer Kenntnis lassen sich aus den leicht messbaren Umlaufzeiten der Planeten um die Sonne unmittelbar alle Abstände und damit die Größe des gesamten Sonnensystems berechnen. Außerdem können Forscher daraus die Masse der Sonne ermitteln.
Halley erlebte den Triumph seiner Methode nicht mehr. Er starb kurz vor dem Venus-Transit des Jahres 1761. Mit einem bis dahin beispiellosen Einsatz zogen 1761 und 1769 zahlreiche Forscher bis in die entlegendsten Winkel der Erde. Der berühmteste Beobachter war James Cook, der nach Haiti segelte und dort im nach dem Ereignis benannten Point Venus das Phänomen am Himmel vermaß.
Traurige Berühmtheit erlangte die Expedition des Astronomen Guillaume Joseph Le Gentil. Im Jahre 1760 verließ er den Hafen von Brest und erreichte rechtzeitig vor dem Transit den Ort Pondicherry in Indien. Den hatten jedoch im Zuge des Siebenjährigen Krieges britische Truppen erobert, und der französische Astronom durfte nicht an Land.
Immerhin verfolgte er den Venus-Transit bei gutem Wetter - allerdings auf schwankendem Schiff, was die Messdaten unbrauchbar machte. Doch weil er schon in der Gegend war, beschloss Le Gentil, sich die Zeit mit Studien auf Madagaskar und Mauritius zu vertreiben und auf den acht Jahre später folgenden Transit zu warten.
Wieder machte er sich hierfür auf den Weg nach Pondicherry, das mittlerweile wieder in französischer Hand war. Doch dieses mal war der Himmel dicht bewölkt. Am Boden zerstört, kehrte der Pechvogel elf Jahre nach seiner Abreise und zwei Schiffbrüche später in die Heimat zurück.

Dort hatte ihn seine Familie währenddessen für tot erklärt und seinen Besitz aufgeteilt. Als späte Ehrung benannte man 1961 immerhin einen Mondkrater nach ihm.
Andere Expeditionen brachten damals den bis dahin genauesten Wert der Astronomischen Einheit: 153,3 Millionen Kilometer. Heute ist der Abstand zwischen Erde und Sonne mit 149,6 Millionen Kilometer bis auf wenige Meter genau beziffert. Das haben Radarmessungen möglich gemacht. Hierfür sendet man mit einem Radioteleskop Signale zur Venus oder zum Mars.
Dort werden sie an der Oberfläche reflektiert und wieder empfangen. Aus der Laufzeit der lichtschnellen Signale ergibt sich die Entfernung zu diesen Planeten und aus den Umlaufzeiten um die Sonne erhält man den Wert der Astronomischen Einheit.
Heute sind Venus-Transits daher für Astronomen kaum noch von Interesse. Einzig Sonnenforscher des Kiepenheuer-Instituts in Freiburg und des Astrophysikalischen Instituts Potsdam nutzen das Ereignis auf ganz neue Weise. Sie spalten jenen Teil des Sonnenlichts, der von hinten die Atmosphäre der Venus durchleuchtet, in Spektralfarben auf. In diesem Spektrum wollen sie dann Signaturen der Gase finden, aus denen sich die Atmosphäre der Venus zusammensetzt.
Über die Venus werden die Astronomen damit allerdings nicht viel mehr erfahren, als Raumsonden bereits vor Jahren übermittelt haben. "Wir wollen einfach ausprobieren, wie genau diese Messmethode ist", sagt der Potsdamer Astronom Jürgen Staude. Die Forscher sehen ihre Beobachtungen eher als Generalprobe für ein fernes Ziel: Eines Tages wollen sie Atmosphären von Planeten jenseits unseres Sonnensystems vermessen.
Die Jugend für Astronomie zu begeistern, ist das Ziel der in Garching beheimateten Europäischen Südsternwarte ESO. Sie koordiniert ein weltweites Netz von Hobby- und Amateurastronomen, deren Messwerte des Transits zentral ausgewertet werden, um den Wert der Astronomischen Einheit auf die klassische Weise erneut zu bestimmen.
Beobachter sollten nicht direkt in die Sonne blicken, sondern am besten deren leuchtende Scheibe auf weißes Papier projizieren. Sollten Wolken die Sicht verdecken, ist der Transit im Internet zu sehen: www.kis.uni-freiburg.de/vt-2004 www.vt-2004.org