Arktische Kälte in den USA Der Polarwirbel, das Raubtier aus dem Norden

Luftdruck und Winde rund um die Arktis beeinflussen den Polarwirbel und damit das Winterwetter

(Foto: NOAA)
  • Die derzeitige Rekordkälte in Nordamerika hat ihre Ursache in Luftströmungen über der Arktis, dem sogenannten Polarwirbel.
  • Diese eiskalte Zone wird vom Jetstream begrenzt, einem Band von Höhenwinden.
  • Gelegentlich können kalte Luftmassen ausbrechen, die Folge ist extremes Winterwetter. Der Klimawandel kann dieses Phänomen verstärken.
Von Patrick Illinger

Man muss sich die Luftmasse über der Arktis vorstellen wie ein Raubtier. Im Winter wirbelt sie besonders heftig im Kreis. Ständig will die Luft ausbrechen und ihr Gehege verlassen. Ständig schlagen die Klauen dieser Bestie in Form heftiger, rotierender und eiskalter Luftwirbel nach Süden aus. Die rotierende Kaltluft versucht, gewaltsam in wärmere Breiten vorzudringen. Dabei wird sie von einer natürlichen Umzäunung zurückgehalten. Diese besteht aus einem Band heftiger Höhenwinde, welche in mehreren Kilometern Höhe wehen und die gesamte Nordhalbkugel der Erde umschlingen, der sogenannte Jetstream.

Schlägt die Polarluft gegen diese Begrenzung, kann sie das Band der Höhenwinde ausbeulen bis es Windungen bildet. Mitunter beult sich eine Schleife weit nach Süden aus, gelegentlich durchschlägt sogar ein kalter Polarwirbel die natürliche Begrenzung, löst sich vom Rest der arktischen Luftmassen und wandert als vagabundierender kalter Luftwirbel nach Süden.

Der Jetstream verliert an Kraft, damit kann die Polarluft leichter ausbrechen

Die Form dieses Höhenwind-Bandes entscheidet somit darüber, wie weit die Polarluft in wärmere Regionen vordringt. Und manchmal erlangen polare Luftmassen die Oberhand. Dann können sie, so wie in diesen Tagen, den Norden Amerikas in eine klirrend kalte arktische Landschaft verwandeln. Tritt der Effekt in Mitteleuropa auf, wird häufig der alberne Begriff der "Russenpeitsche" benutzt. Meteorologisch ist es das Gleiche: Die Polarluft hat dem Jetstream ein Schnippchen geschlagen und ist weiter als üblich nach Süden vorgedrungen.

Irrwitzigerweise bedeuten solche Wetterextreme immer, dass irgendwo anders das Gegenteil passiert. Tatsächlich ist es in Alaska in diesen Tagen ungewöhnlich warm. Doch solche Meldungen können die von eisiger, teils lebensbedrohlicher Kälte bedrohten Menschen in Kanada und den nördlichen US-Bundesstaaten nicht trösten.

Und anders als es der in Klimafragen ideologisch verbohrte US-Präsident Trump in den vergangenen Tagen twitterte, ist die aktuelle Kälte rund um die Great Lakes der USA kein Gegenbeweis für die globale Erwärmung, sondern eine von Klimatologen längst berechnete Folge. Die wärmer werdende Arktis führt nämlich zu einer Abschwächung des Jetstreams, der als natürliches Band zwischen den großräumigen Polarwirbeln und den Luftmassen in südlicheren Gefilden funktioniert. Dass der Jetstream seine Kraft verliert und damit seine Fähigkeit, die Polarluft in Zaum zu halten, ist nach Berechnungen vieler Klimaforscher ein Anzeichen für den Klimawandel und nicht dessen Widerlegung.

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