US Air Force: Neuer Raumgleiter Im Dunkeln der Geheimhaltung

Von derartigen Überlegungen und von möglichen Anwendungen solcher Raumgleiter ist in offiziellen Stellungnahmen kaum etwas zu erfahren. Im November 2006 teilte die Air Force in einer Erklärung mit, dass es bei dem Projekt primär um "Operationskonzepte im All" und um die "Risikominderung bei der Entwicklung von wiederverwendbaren Raumfahrzeugtechnologien" gehe.

Derart allgemein gehaltene Statements erinnern in ihrer Aussagekraft an Presseaussendungen der früheren sowjetischen Nachrichtenagentur TASS. Ein unbemanntes, rasch einsetzbares Spionagevehikel oder eine Weltraumplattform zur Erprobung diverser, austauschbarer Nutzlasten wären naheliegende Anwendungen eines unbemannten Raumgleiters, sagt der Fachjournalist Sweetman.

Hochleistungs-Raketentriebwerk

Denkbar sind allerdings auch andere Aufgaben: In den 1990er-Jahren sah Sweetman einmal eine Computeranimation des US-Militärs, bei der ein Raumschiff kleine, konventionelle Sprengsätze vom All aus auf irdische Ziele abwarf. Ob auch heute noch solche Einsätze in Erwägung gezogen werden, weiß der Reporter nicht.

Auch die Möglichkeit, gegnerische Satelliten zu untersuchen oder sogar zu zerstören, hat das Militär wohl untersucht. Zwar wird über solche Konzepte kaum gesprochen, dass diese Ideen aber durchaus im Pentagon kursieren, zeigte beispielsweise der kleine Air Force-Testsatellit XSS-11, der 2005 startete und wahrscheinlich das Heranpirschen an andere Satelliten erprobte.

Von 2006 an taten zwei Mitex-Mikrosatelliten anscheinend das Gleiche im hochgelegenen geostationären Orbit. Erst Anfang 2009 wurde aufgedeckt, dass ein defekter amerikanischer Frühwarnsatellit von den Mikrospähern inspiziert wurde. Ob sie auch ausländische Raumobjekte unter die Lupe genommen haben, ist nicht bekannt.

Parallel zu dem Testraumgleiter arbeitet die Air Force auch an einem luftatmenden Raketentriebwerk, einem sogenannten Scramjet, das in den kommenden Wochen erstmals in hohen Schichten der Atmosphäre getestet werden soll.

Das rund acht Meter lange Flugobjekt X-51A soll vier- bis sechsfache Schallgeschwindigkeit erreichen. Sein Raketentreibstoff wird mit Luftsauerstoff verbrannt anstatt mit einem eigens mitgeführten Oxidationsmittel.

Beunruhigende Perspektiven

Ein künftiger Raumgleiter, von einem Scramjet-Triebwerk ins All geschossen, würde auch für zivile Zwecke neue Möglichkeiten eröffnen - sofern er nicht an technischen Pannen und einer Kostenexplosion scheitert. Manche Experten sehen das Programm aber kritisch.

Theresa Hitchens, Direktorin des UN-Instituts für Abrüstungsforschung in Genf, sagte der Webseite space.com, sofern man derartige Raumgleiter als Waffenplattform ansähe, entsprächen sie dem Konzept einer "Global Strike Platform", also einem global einsetzbaren Waffensystem in der Erdumlaufbahn. Es gebe viele Gründe, darüber besorgt zu sein.

Einstweilen liegen die langfristigen Ziele des Miniraumgleiter-Programms aber im Dunkel der Geheimhaltung, verborgen hinter dem Ausdruck "Technologie-Erprobung". Eine solche Tarnung wäre nichts Neues: Als 1959 die ersten Corona-Spionagesatelliten starteten, verlautbarte das US-Militär, es handle sich um "Forschungskapseln" zur Untersuchung von Gewebeproben, Schimmelsporen und Algen in der Schwerelosigkeit.