Urzeitforschung Vollständiges Genom des ausgestorbenen Denisova-Menschen veröffentlicht

Damit auch andere Wissenschaftler mit den Daten arbeiten können, haben Leipziger Forscher das Genom eines Ur-Menschen entschlüsselt und ins Internet gestellt. Es ist das Ergebnis der bislang genauesten Analyse der DNA einer ausgestorbenen Menschenform.

Wissenschaftler des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie haben das Genom eines Urmenschen vollständig entziffert und ins Internet gestellt.

Die Denisova-Höhle in Südsibirien. Hier wurde das Fragment eines Fingerknochens gefunden, der einer zuvor unbekannten Menschenform gehörte. Dessen DNA haben Forschern nun vollständig entziffert und ins Internet gestellt.

(Foto: dpa)

Die DNA, die die Forscher um Svante Pääbo untersuchten, stammt aus dem Fingerknochen einer vormals unbekannten Menschenart, die in der sibirischen Denisova-Höhle gefunden wurde. Das Alter des Fossils wurde auf 50.000 bis 30.000 Jahre datiert.

Die Menschenform wird nach dem Fundort als Denisova-Mensch bezeichnet, sie gilt zusammen mit dem Neandertaler als nächster ausgestorbener Verwandter des modernen Menschen. Eine exakte Zuordnung zu einer Art oder Unterart wurde bislang nicht vorgenommen.

Bereits im Dezember 2010 hatten die Wissenschaftler eine vorläufige Fassung der von ihnen entschlüsselten Erbinformationen im Fachmagazin Nature veröffentlicht. Inzwischen hat das Leipziger Team die DNA mit neuen Techniken analysiert. Diesmal wurde jede Position des Erbguts nicht mehr nur zweimal, sondern 30 Mal gelesen.

Hatte die erste Analyse immerhin ausgereicht, um die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Denisova, Neandertalern und modernen Menschen festzustellen, ermöglicht die nun veröffentlichte Version nach Angaben der Wissenschaftler auch, winzige Unterschiede zwischen den Genkopien zu unterscheiden, die dieses Individuum von seinem Vater beziehungsweise von seiner Mutter geerbt hat.

Das Genom sei "von sehr hoher Qualität", wie Matthias Meyer vom Leipziger MPI erklärte. Die Daten enthielten ihm zufolge sogar "weniger Fehler als die meisten bislang sequenzierten Genome heute lebender Menschen".

"Wir hoffen, dass Biologen dieses Genom nutzen werden, um genetische Veränderungen aufzuspüren, die für die Entwicklung moderner menschlicher Kultur und Technologie wichtig waren und die es dem modernen Menschen ermöglichten, vor etwa 100.000 Jahren in kurzer Zeit von Afrika ausgehend die gesamte Welt zu besiedeln", sagte Pääbo.

Da andere Labors noch mit den alten Daten arbeiteten, beschlossen die Wissenschaftler in Leipzig, ihre neuen Ergebnisse im Internet zu veröffentlichen, schon bevor sie mit dem wissenschaftlichen Artikel fertig sind, der dieses Jahr erscheinen soll.