Das James-Webb-Weltraumteleskop (JWST)schaut oft in die Weiten des Universums, richtet seine Instrumente auf Exoplaneten und entfernte Schwarze Löcher oder untersucht die Ausdehnung des Universums. Aber nun hat es eine Entdeckung in unserem eigenen Sonnensystem gemacht. Der Uranus hat einen Mond mehr als bisher bekannt; 29 sind es aktuell.
Der schätzungsweise nur zehn Kilometer große Mond war bisher verborgen geblieben – etwa vor der Nasa-Sonde Voyager 2, die als einziges Raumschiff bisher den Uranus 1986 passierte. Ein Instrument des JWST, das Wellenlängen des Lichts im nahen Infrarotbereich fotografiert, hat ihn jetzt entdeckt. Noch haben die beteiligten Forscher nur vermeldet, dass sie den Mond gefunden haben, eine Studie in einer Fachzeitschrift steht noch aus.
Aufgetaucht ist der neue Uranus-Mond auf Messungen vom Februar dieses Jahres. Forschende um Maryame El Moutamid vom Southwest Research Institute in Boulder, Colorado, haben das Teleskop zehn Aufnahmen machen lassen, für die Uranus jeweils 40 Minuten lang belichtet wurde.

Das JWST reist seit 2022 1,5 Millionen Kilometer entfernt auf der sonnenabgewandten Seite der Erde. Uranus ist etwa drei Milliarden Kilometer davon entfernt. Der neueste Mond ist sehr viel weniger hell als Uranus, dessen Ringe oder die anderen Monde. Im Bild, das die Nasa veröffentlicht hat, sind darum drei verschiedene Darstellungen übereinandergelegt, um alle Objekte auf einmal zeigen zu können.
Fast fast alle Uranus-Monde sind nach Figuren aus Shakespeare-Stücken benannt
Uranus hat 13 Ringe und die innersten 14 Monde kreisen darin, der neue gehört auch dazu. Seine Bahn fügt sich zwischen den Nachbarmonden Ophelia und Bianca ein. „Kein anderer Planet hat so viele kleine innere Monde wie Uranus, und ihre komplexen Wechselbeziehungen mit den Ringen deuten auf eine chaotische Geschichte hin, die die Grenze zwischen einem Ringsystem und einem Mondensystem verwischt“, sagt Matthew Tiscareno vom SETI-Institut in Mountain View, Kalifornien, der an der Entdeckung beteiligt war, in einer Pressemeldung der Nasa. Es sei wahrscheinlich, dass es noch weitere Komplexitäten zu entdecken gebe, sagt er.
Uranus ist der kleinste der vier Gasriesen und am Nachthimmel mit bloßem Auge als bläulich-grüner Lichtpunkt zu erkennen. Der Planet ist 19-mal so weit von der Sonne entfernt wie die Erde, und wegen der schieren Distanz war er lange Zeit schwieriger zu untersuchen als die näher gelegenen Planeten.
Noch hat der neue Uranus-Mond keinen Namen. Bis die Internationale Astronomische Vereinigung ihm einen gibt, heißt er S/2025 U1. Aber man kann mitraten, wie der Genosse von Mirana, Ariel, Oberon und Titania getauft wird. Schließlich sind fast alle Monde nach Figuren aus Shakespeare-Stücken benannt (bis auf zwei, Belinda und Umbriel, benannt nach Figuren des englischen Dichters Alexander Pope). Juliet umkreist Uranus schon als Mond, vielleicht bekommt sie ihren Romeo?
Eine romantische Ader haben die zeitgenössischen Astronomen bei der Benennung jedenfalls. Zum Glück: Der Entdecker von Uranus und dessen ersten beiden Monden, William Herschel, listete sie in seinen Aufzeichnungen Ende des 18. Jahrhunderts nur als „Nummer 1“ und „Nummer 2“. Da darf’s doch bei S/2025 U1 doch gern wieder etwas lyrischer werden.

