Dauerregen am Wochenende:In einigen Regionen wird Jahrhunderthochwasser befürchtet

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Mitarbeiter der Stadt Riedlingen in Baden-Württemberg stellen Absperr- und Hinweisschilder auf. (Foto: dpa)

Betroffen sein könnten vor allem die Donau- und Bodenseezuflüsse der Region Oberschwaben. In Günzburg wurde bereits der Katastrophenfall ausgerufen.

Durch teilweise extremen Dauerregen sind Experten zufolge Jahrhunderthochwasser im Osten Baden-Württembergs möglich. Die Hochwasservorhersagezentrale (HVZ) der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) ging einer Hydrologin zufolge davon aus, dass die Hochwasser in der Nacht von Freitag auf Samstag ihr Maximum erreichen.

Denkbar seien Hochwasser, wie sie nur einmal in 100 Jahren zu erwarten sind, besonders in den Donau- und Bodenseezuflüssen der Region Oberschwaben. Das betreffe etwa die Bodenseezuflüsse Schussen und Argen sowie die Donauzuflüsse Riss und Rot. Auch in der Region Ostalb werde teilweise vor sehr großem Hochwasser gewarnt, sagte die Hydrologin am Freitagnachmittag.

In Meckenbeuren im Bodenseekreis wird wegen der akuten Hochwassergefahr rund 1300 Menschen geraten, ihr Zuhause zu verlassen. Es handele sich um keine Evakuierung, sondern um eine Empfehlung, sagte eine Sprecherin der Gemeinde in Baden-Württemberg.

Wie groß die Hochwasser genau ausfallen, lasse sich jetzt noch nicht schätzen, erklärte die Hydrologin. Es komme auf den tatsächlichen Niederschlag an. Es sei damit zu rechnen, dass die Pegelstände auf einem sehr hohen Niveau bleiben, nachdem sie ihr Maximum erreicht haben. Bei 50- oder 100-jährlichen Hochwassern ist die Lage der HVZ-Hydrologin zufolge dramatischer, weil auch Ortschaften und Siedlungen von den Überschwemmungen betroffen sein können.

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Das ganze Wochenende über soll es kräftig regnen. Der Deutsche Wetterdienst rechnet örtlich mit bis zu 100 Litern Niederschlag pro Quadratmeter. Hilfskräfte bereiten sich derzeit bayernweit vor. Laut Innenminister Joachim Herrmann aber gebe es „keinen Grund, in irgendwelche Panik zu verfallen“. Ein Landkreis hat vorsorglich den Katastrophenfall ausgerufen.

Die Gefahr komme zum einen aus Flüssen und zum anderen durch den Oberflächenabfluss, erklärte die Hydrologin. Hochwasser und Überschwemmungen könnten grundsätzlich auf zwei Arten entstehen. Demnach treten entweder Flüsse durch ergiebigen Niederschlag über die Ufer oder es kommt durch Starkregen oberflächlich an einzelnen Punkten zu großen Wassermassen. Durch die aktuell vorhergesagten Niederschlagsmengen könne beides auftreten. Mit großen Hochwassern ist der HVZ zufolge neben den Donau- und Bodenseezuflüssen auch in den östlichen Neckarzuflüssen wie Erms, Fils, Rems und Kocher zu rechnen.

Dramatische Nacht erwartet

Im Verlauf von Samstag auf Sonntag können sich demnach große Hochwasser an den Neckarpegeln Gundelsheim und Heidelberg ausbilden. Zudem sei ein zwei- bis zehnjährliches Hochwasser am Hochrhein und am Oberrhein am Pegel Maxau in Karlsruhe möglich.

Auch im bayerischen Schwaben zeichnet sich eine dramatische Nacht ab: Wegen des extremen Dauerregens und der erwarteten Hochwasserlage ist im Landkreis Günzburg am Freitagabend der Katastrophenfall ausgerufen worden. Es gehe darum, die potenziell betroffenen Städte und Gemeinden besser unterstützen zu können, sagte eine Sprecherin des Landratsamtes.

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Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rief am Freitag mittlerweile die höchste Warnstufe aus. „Da fällt quasi eine Monatsmenge Regen innerhalb von zwei Tagen“, sagte ein DWD-Meteorologe. „Es ist vergleichbar mit den Regenmengen, die vor Kurzem im Saarland herunterkamen.“

Die Stadt Mannheim erwartet einen Pegelstand von etwa 7,50 Meter am Sonntag, am Freitagmittag war er demnach noch bei 4,60 Meter. Zufahrten zu Rhein und Neckar würden gesperrt. Auch die Stadt Heidelberg rechnet mit einem Anstieg des Pegelstands im Neckar auf eine Höhe zwischen 4,50 und 5 Metern. Dort würden unter anderem Umleitungen eingerichtet und Sandsäcke an Anwohner ausgegeben. Das bayerische Leipheim (Landkreis Günzburg) an der Grenze zu Baden-Württemberg geht nach eigenen Angaben für die kommenden Tage von einem hundertjährigen Hochwasser aus. Das Donau-Wasserwerk sei sicherheitshalber am Freitag abgeschaltet worden. Die Wasserversorgung erfolge über ein anderes Wasserwerk, teilte Bürgermeister Christian Konrad mit.

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Grund für die heftigen Niederschläge ist vor allem das Tief Orinoco, das sich am Wochenende über Mitteleuropa einnisten wird. Es schaufelt warme, feuchte Luft aus dem Mittelmeerraum gen Norden.

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Laut meteorologischer Klassifikation besteht eine sogenannte „Vb-Wetterlage“, gesprochen: „Fünf-B“, die gekennzeichnet ist von einem Tiefdruckgebiet, das aus dem Mittelmeerraum nordostwärts zieht. Charakteristisch sind lang anhaltende, schwere Regenfälle.

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