Unkontaktierte Völker:Durchbohrt von Pfeilen

Cortijo fotografierte aus dem halbwegs sicheren Abstand von 120 Metern. Der Einheimische Shaco interpretierte den Auftritt der Waldmenschen mit ihrem Wunsch nach Macheten, er kannte manche Gewohnheiten und verstand Wortfetzen. Doch wenige Tage danach war Shaco tot, durchbohrt von Pfeilen.

Unkontaktierte Völker: Nicolás 'Shaco' Flores, Angehöriger der Matsigenka (Machiguenga), bezahlte seinen Versuch, den unkontaktierten Indios zu helfen, mit seinem Leben.

Nicolás 'Shaco' Flores, Angehöriger der Matsigenka (Machiguenga), bezahlte seinen Versuch, den unkontaktierten Indios zu helfen, mit seinem Leben.

(Foto: AP)

Es sieht so aus, als seien sich die Mashcos uneinig über den Kontakt zur Außenwelt", vermutet in der Zeitung El País der Reporter Scott Wallace, Autor des Buches "The Unconquered" (Die Uneroberten). Demnach kommen die Mashco-Piro aus jener Gegend, in der 1894 der peruanische Kautschukhändler und Abenteurer Carlos Fermín Fitzcarraldo einige ihrer Vorfahren massakrieren ließ, die sich seinem Geschäft widersetzten. Die Figur inspirierte Werner Herzog für seinen grandiosen Film. Die Überlebenden zogen sich danach noch tiefer in den Regenwald zurück und sind Fremden gegenüber aus gutem Grund misstrauisch.

Die Organisation Survival International verbreitete mit Cortijos Genehmigung jetzt die Fotos. Es seien, so die Bewegung für indigene Völker, "die detailliertesten Aufnahmen, die es bisher von unkontaktierten Indianern gibt". Die Lebenszeichen sollen dazu ermahnen, die Mashco-Piro in Ruhe zu lassen. Illegale Holzfäller sowie Techniker mit Hubschraubern und Motorbooten auf der Suche nach Öl und Gas drängen sie weiter ab, obwohl das Gebiet Manú unter staatlicher Aufsicht steht und zum Naturerbe der Unesco zählt. Auch fallen in der Umgebung Goldsucher und Drogendealer ein. Die Phantasie regt die grüne Wildnis unterhalb der Anden außerdem deshalb an, weil in dem kaum erschlossenen Gebiet Paititi vermutet wird, der mythenumrankte Zufluchtsort der Inka.

Der mutmaßliche Mord der Mashco an jenem Nicolás Flores alias Shaco gilt als Warnung. "Er glaubte, dass er den Mashco-Piro helfen würde", schreibt sein Freund, der Anthropologe Glenn Shepard. Doch "bei diesem tragischen Zwischenfall" hätten "die Mashco-Piro erneut ihren felsenfesten Wunsch ausgedrückt, allein gelassen zu werden." Zuletzt wurden sie offenbar öfter gesichtet, das hat vermutlich vor allem mit der Invasion der Kahlschläger und Touristen zu tun. Urlauber hinterließen am Fluss sogar Kleidung, wie ein Video bewies. Survival International war entsetzt. Perus Regierung fordern die Menschenrechtler auf, die bedrohten Mashco-Piro besser abzuschirmen.

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