bedeckt München 22°

Unglück der "Exxon Valdez" vor 25 Jahren:Die Arten verschwinden, das Öl bleibt

Selbst 25 Jahre nach der Havarie des Öltankers "Exxon Valdez" spürt Alaskas Umwelt die Folgen der Katastrophe. Viele Arten haben sich bis heute kaum erholt.

10 Bilder

EXXON VALDEZ OIL SPILL ANNIVERSARY

Quelle: dpa

1 / 10

Das Unglück des US-Tankers Exxon Valdez hat vor 25 Jahren die bis dahin größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA verursacht. Am 24. März 1989 lief das 335 Meter lange Schiff im artenreichen Prince William Sund in Alaska auf ein Riff.

Der Kapitän lag zum Unglückszeitpunkt schlafend in der Kabine und hatte dem unerfahrenen dritten Offizier das Kommando überlassen. Rund 40 000 Tonnen Rohöl liefen bei dem Unglück in den fischreichen Sund. 2400 Kilometer Küste in dem empfindlichen Ökosystem wurden verunreinigt. Die Fischerei erlitt schwere Schäden.

Rund eine halbe Million Seevögel und Tausende weitere Tiere verendeten, darunter Otter, Robben und Grauwale.

EXXON VALDEZ OIL SPILL ANNIVERSARY

Quelle: dpa

2 / 10

Trotz aufwendiger Reinigungsarbeiten erholte sich das Gebiet nur oberflächlich. Niedrige Temperaturen verzögerten den biologischen Abbau des Öls. Der Rechtsstreit um Ursachen, Verantwortlichkeiten und Folgen der Katastrophe dauerte bis 2009. Am Ende zahlte der Konzern ExxonMobil rund 4,4 Milliarden US-Dollar für Geldbußen, Säuberungen, Schadenersatz und Zinsen.

Karte des Ölunglücks der Exxon Valdez

Quelle: 1993 State On-Scene Coordinator'

3 / 10

Nachdem der Tanker auf das Riff lief, nahm die Katastrophe ihren Lauf: Schnell bildete sich ein sieben Kilometer langer Ölteppich im Prince William Sund. ExxonMobil war auf das Unglück schlecht vorbereitet: Das für Notfälle bereitstehende Schiff war gerade in Reparatur, es fehlte an Ausrüstung, um das Öl zu bergen. Erst nach 18 Stunden traf das erste Hilfsschiff ein. Am 27. März kam zudem ein starker Sturm auf, der das Öl weiträumig verteilte. Die Karte zeigt, wie schnell sich das Öl damals in einem Umkreis von fast 1000 Kilometer ausbreitete.

-

Quelle: AFP

4 / 10

Die Behörden schätzen, dass rund 3000 Seeotter im ersten Jahr nach dem Unglück verendeten. Mehrere Faktoren spielten dabei eine Rolle: Mit Öl vollgesaugtes Fell hält Wärme nicht mehr so gut fest, die Otter kühlten aus. Als die Tiere versuchten, ihr Fell von dem Öl zu befreien, könnte es in ihren Verdauungstrakt geraten sein. Jahre später fanden Forscher Belege für Leberschäden bei den Tieren. Die Reinigung des Fells kostete die Seeotter zudem wertvolle Zeit, in der sie nicht auf Nahrungssuche gehen konnten.

Seeotter, Exxon Valdez

Quelle: "Mike" Michael L. Baird

5 / 10

In den am meisten betroffenen Gebieten lag die Sterblichkeit der Otter bei rund 90 Prozent in den ersten Monaten. Nach Angaben des US Geological Survey haben sich die Seeotter-Populationen von dem Unglück aber erholt. Im Prince William Sund leben heute rund 4300 Tiere, etwa genauso viele wie vor der Katastrophe.

"Unsere Arbeit zeigt, dass die Erholung von Arten Jahrzehnte dauern kann, besonders wenn sie anfällig gegenüber Langzeiteffekten von Öl sind", sagte Brenda Ballachey vom US Geological Survey. Die Zahlen der Seeotter seien erst in den vergangenen Jahren wieder gestiegen.

Vor 25 Jahren verunglückte der Öltanker ´Exxon Valdez"

Quelle: dpa

6 / 10

Die Taubenteiste - ein pazifischer Seevogel - gehört zu den Arten, die sich bis heute nicht von dem Unglück erholt haben. Zwischen 2000 und 6000 Vögel starben in der Folge des Unglücks, vor allem weil ihr Gefieder von dem Öl verklebte. Die Taubenteisten jagen besonders Krebse, Fische und andere Meerestiere in Ufernähe. Weil die Beutetiere nach dem Unglück ebenfalls massenhaft verendeten, starben die Seevögel, die das Öl nicht direkt traf, an Nahrungsmangel.

´Exxon Valdez" hinterließ gewaltige Schäden

Quelle: dpa

7 / 10

Blick auf einen verseuchten Küstenstreifen nach der Havarie der Exxon Valdez am 24. März 1989

Pazifischer Hering, Exxon Valdez

Quelle: OpenCage / Wikimedia / CC-by-SA

8 / 10

Der Pazifische Hering gilt als Schlüsselspezies, als Nahrungsgrundlage von Vögeln, Säugetieren und anderen Fischen. Vor der Havarie der Exxon Valdez vermehrten sich die Heringe im Prince William Sund stark, die Fischer fuhren Rekordernten ein - das ging selbst nach dem Unglück bis 1992 weiter.

Erst 1993 brachen die Zahlen dramatisch ein - in jenem Jahr laichten die 1989 geschlüpften Heringe. Auf diesen Jahrgang hatte die Ölkatastrophe einen verheerenden Einfluss, die Ernte betrug gerade mal 14 Prozent des Vorjahres. Bis heute hat der Pazifische Hering in den betroffenen Gebieten die Zahlen aus den 1980ern nicht wieder erreicht.

Tankerkatastrophe 'Exxon Valdez' 25. Jahrestag

Quelle: dpa

9 / 10

Das Unglücksschiff wurde nach der Havarie überholt und brachte zunächst als Exxon Mediterranean Öl vom Persischen Golf nach Europa und Amerika. Nach weiteren Umbenennungen verkaufte ExxonMobil 1993 das Schiff. Der mehrfach umgebaute Frachter transportierte ab 2010 als Dong Fang Ocean Erz unter der Flagge Panamas. 2012 wurde das Schiff erneut verkauft und in Singapur verschrottet.

Öl in Alaska, 25 Jahre nach Exxon Valdez

Quelle: Gail Irvine, USGS

10 / 10

Selbst heute, 25 Jahre später, finden sich noch Spuren des ausgelaufenen Öls. "Es ist kaum abgebaut und ähnelt elf Tage altem Öl", sagte Gail Irvine von der American Geophysical Union bei der Vorstellung einer aktuellen Studie.

Besonders hinter und unter Felsen existiere noch eine ölige Emulsion, die sehr stabil sei. Die Forscher untersuchten Strände, die hunderte Kilometer vom Unglücksort entfernt waren.

© Süddeutsche.de/chrb/bavo
Zur SZ-Startseite